Tierische Technik

Millimeterarbeit schenkt Mauerseglern ein zweites Leben

Kaputte Federn bedeuten für Mauersegler das Todesurteil. Tierschutz Austria macht aber mit uralt-Technik die Vögel wieder fit.
Heute Tierisch
15.09.2026, 11:39
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Kaputte Federn können für Mauersegler das Todesurteil bedeuten. Tierschutz Austria griff deshalb zu einer jahrhundertealten Technik aus der Falknerei und machte Vögel wieder fit.

Für einen Mauersegler ist ein intaktes Federkleid weit mehr als eine Frage der Schönheit. Die außergewöhnlichen Flugkünstler verbringen einen Großteil ihres Lebens in der Luft, jagen dort Insekten, trinken im Flug und können sogar während des Gleitflugs schlafen. Auch Paarungen können in der Luft stattfinden. Entsprechend dramatisch sind beschädigte Schwung- oder Steuerfedern: Sind sie abgebrochen oder stark verklebt, kann ein Mauersegler seine wichtigste Fähigkeit verlieren – das Fliegen.

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Die sogenannte "Schifttechnik" stammt ursprünglich aus der Falknerei.
©Tierschutz Austria

Neue Federn für den Flug nach Afrika

Genau hier kommt eine Technik zum Einsatz, deren Ursprung in der Falknerei liegt: das sogenannte "Schiften". Dabei werden passende Federn von Spendervögeln präpariert und an den beschädigten Federn befestigt. Tierschutz Austria verwendet dafür feine Carbonstifte, mit deren Hilfe die Ersatzfedern millimetergenau eingesetzt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Federkiele des betroffenen Vogels noch vorhanden sind. Ist das der Fall, lässt sich laut den Tierschützern sogar das gesamte Großgefieder ersetzen.

Was ist die Schifttechnik?
Das sogenannte Schiften ist eine jahrhundertealte Technik aus der Falknerei, mit der beschädigte oder abgebrochene Federn repariert werden. Dabei werden passende Federn eines Spendervogels mithilfe feiner Stifte millimetergenau mit den noch vorhandenen Federkielen verbunden. So kann das wichtige Fluggefieder sofort wieder funktionsfähig werden – ohne darauf warten zu müssen, dass bei der nächsten Mauser neue Federn nachwachsen.

Was sich einfach anhört, ist echte Präzisionsarbeit. Ein solcher Eingriff kann bis zu vier Stunden dauern und wird unter Narkose durchgeführt. Für den Vogel ist die eigentliche Schifttechnik schmerzfrei, da an den vorhandenen Federkielen gearbeitet wird. Tierschutz Austria zählt nach eigenen Angaben zu den wenigen – möglicherweise sogar zur einzigen – Tierschutzeinrichtungen Österreichs, die dieses aufwendige Verfahren regelmäßig anbietet. Auch andere Auffangstationen bringen entsprechende Patienten deshalb ins Tierschutzhaus nach Vösendorf.

Die Behandlung erfolgt komplett schmerzfrei.
©Tierschutz Austria

Zehn Patienten heben wieder ab nach Afrika

In diesem Jahr erhielten dort bereits zehn Mauersegler neue Spenderfedern. Der Aufwand hat sich gelohnt: Alle zehn Vögel wurden wieder flugtauglich und konnten anschließend aus eigener Kraft ihre große Reise in Richtung Afrika antreten.

„Zehn Vögel, zehn zweite Leben. Nach Eingriffen, bei denen Millimeter über Leben oder Tod entscheiden, konnten sie ihre Heimreise antreten.“
Stephan ScheidlTierheimleiter, Tierschutz Austria

Die Spenderfedern stammen in der Regel von verstorbenen Vögeln aus Auffangstationen, Tierkliniken oder zoologischen Einrichtungen. Geeignete, unbeschädigte Schwung- und Steuerfedern werden gesammelt, gereinigt, nach Art, Größe und Position sortiert und für spätere Schiftungen aufbewahrt.

Besonders wichtig ist, dass die Ersatzfeder möglichst genau zur ursprünglichen Feder passt – schließlich muss sie beim Fliegen dieselbe aerodynamische Aufgabe übernehmen

Mauersegler fangen ihre Beute ausschließlich im Flug - wenn sie nicht fliegen könnten, verhungern sie.
©WTV

Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass die kleinen Langstreckenflieger ihre Reise gut überstehen. Im kommenden Frühling könnten sie wieder aus ihren afrikanischen Überwinterungsgebieten zurückkehren – mit einem Federkleid, bei dem ein kleiner Teil österreichische Handarbeit ist.

red,15.09.2026, 11:39