Die Gelenke schmerzen plötzlich stärker, Finger oder Knie schwellen an – ein Rheuma-Schub kann den Alltag von einem Moment auf den anderen erschweren. Was viele Betroffene dabei wohl kaum im Blick haben: Auch die Luft vor der eigenen Haustür könnte eine Rolle spielen. Eine neue Untersuchung aus Südkorea liefert Hinweise darauf, dass eine länger anhaltende Belastung mit Feinstaub mit einer höheren Krankheitsaktivität bei rheumatoider Arthritis zusammenhängt.
Wissenschaftler der Seoul National University begleiteten 1.070 Menschen mit rheumatoider Arthritis über mehrere Jahre. Insgesamt flossen Daten aus mehr als 12.500 Arztbesuchen in die Untersuchung ein. Die Forscher verglichen dabei die Krankheitsaktivität der Patienten mit der jeweiligen Belastung durch sechs unterschiedliche Luftschadstoffe. Besonders ein Schadstoff fiel dabei auf: Feinstaub der Kategorie PM2,5.
Dabei handelt es sich um winzige Partikel mit einem Durchmesser von maximal 2,5 Mikrometern. Aufgrund ihrer geringen Größe können sie tief in die Atemwege und bis in die Lunge gelangen.
PM2,5 zeigte von allen untersuchten Luftschadstoffen den stärksten Zusammenhang mit der Aktivität der Erkrankung. Besonders deutlich war dieser, wenn die erhöhte Belastung über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen anhielt. Bei höheren Feinstaubwerten registrierten die Wissenschaftler zudem mehr druckempfindliche und geschwollene Gelenke.
"Unsere Studie ergab, dass eine höhere PM2,5-Konzentration mit einer erhöhten Krankheitsaktivität und einem höheren Schubrisiko verbunden war", erklärt Studienleiter Eun Bong Lee.
Interessant: Der beobachtete Zusammenhang fiel bei Frauen und Nichtrauchern stärker aus. Warum das so ist, muss allerdings noch genauer untersucht werden. Eine mögliche Erklärung für den generellen Effekt haben die Forscher dennoch. Die winzigen Feinstaubpartikel könnten oxidativen Stress fördern und Entzündungsprozesse im Körper verstärken – und damit möglicherweise auch die Autoimmunerkrankung beeinflussen.
Studienleiter Lee empfiehlt Menschen mit rheumatoider Arthritis deshalb, eine länger anhaltende Belastung durch schlechte Luftqualität möglichst zu vermeiden. Die Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass Feinstaub automatisch einen Rheuma-Schub auslöst. Die Studie zeigt zunächst einen Zusammenhang zwischen höheren PM2,5-Werten und stärkerer Krankheitsaktivität.
Ob beispielsweise Luftfilter, weniger Aufenthalt im Freien an stark belasteten Tagen oder andere Maßnahmen das Risiko für Schübe tatsächlich reduzieren können, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Für Rheuma-Patienten könnte sich der Blick auf die Luftqualität künftig aber durchaus lohnen.