Süßstoff mit Schattenseite

Neue Studie: Xylit könnte Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen

Xylit gilt als beliebte Alternative zu Zucker, doch neue Daten verpassen dem süßen Image jetzt einen bitteren Beigeschmack.
Heute Life
02.09.2026, 16:25
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Im Kaugummi, in Süßigkeiten oder im zuckerfreien Gebäck: Xylit hat sich längst als beliebter Zuckerersatz etabliert. Wer Zucker sparen möchte, greift gerne zu Produkten mit dem auch als Birkenzucker bekannten Süßungsmittel – doch neue Forschungsergebnisse sorgen nun für Aufsehen. Hohe Xylit-Werte im Blut waren in einer großen Untersuchung mit einem erhöhten Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse verbunden. Forscher sehen deshalb weiteren Klärungsbedarf.

Mehr als 17.000 Menschen untersucht

Vorgestellt wurden die neuen Ergebnisse beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) 2026. Das Forschungsteam analysierte Daten von insgesamt 17.710 Menschen aus zwei großen Langzeit-Beobachtungsstudien aus Kanada und Großbritannien.

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Dabei verglichen die Wissenschaftler unter anderem, wie häufig schwere kardiovaskuläre Ereignisse bei Menschen mit besonders hohen und besonders niedrigen Xylit-Werten im Blut auftraten. Dazu zählten Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall. Das Ergebnis lässt aufhorchen: Je höher die gemessenen Xylit-Werte waren, desto häufiger traten solche Ereignisse auf.

Bis zu 57 Prozent höheres Risiko

Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang in der kanadischen Gruppe. Über einen Zeitraum von sechs Jahren hatten Menschen im Viertel mit den höchsten Xylit-Blutwerten ein 57 Prozent höheres Risiko für ein schwerwiegendes Herz-Kreislauf-Ereignis als jene im Viertel mit den niedrigsten Werten. Dabei berücksichtigten die Forscher bekannte Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Blutfettwerte.

Auch in der britischen Gruppe zeigte sich ein Zusammenhang – allerdings schwächer: Über einen Beobachtungszeitraum von 30 Jahren lag das Risiko in der Gruppe mit den höchsten Werten 18 Prozent höher. Die Daten aus beiden Gruppen deuteten zudem darauf hin, dass mit steigenden Xylit-Blutwerten auch die Ereignisrate zunahm.

Was hat Xylit mit Blutgerinnseln zu tun?

Ganz neu ist der Verdacht nicht. Bereits 2024 untersuchten Forscher um Marco Witkowski von der Berliner Charité einen möglichen Zusammenhang zwischen Xylit und Herz-Kreislauf-Risiken: Damals zeigten Labor-, Tier- und kleine Interventionsversuche, dass Xylit die Reaktionsbereitschaft von Blutplättchen und damit das Potenzial zur Bildung von Blutgerinnseln erhöhen kann. Gleichzeitig waren höhere Xylit-Blutwerte bei untersuchten Hochrisikopatienten mit mehr schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen innerhalb von drei Jahren verbunden.

Die neue Untersuchung sollte deshalb klären, ob sich ein entsprechender Zusammenhang auch in einer wesentlich größeren Stichprobe aus der Allgemeinbevölkerung und über längere Zeiträume beobachten lässt.

Heißt das jetzt: Finger weg von Xylit?

Nein, so weit reichen die Ergebnisse nicht. Bei den aktuellen Daten handelt es sich um Beobachtungsstudien. Sie können einen Zusammenhang zeigen, aber nicht beweisen, dass Xylit tatsächlich Herzinfarkte oder Schlaganfälle verursacht.

Das betont auch die ESC: Bei Beobachtungsstudien sei es schwierig, Ursache und Wirkung eindeutig voneinander zu trennen. Die Ergebnisse seien deshalb vor allem ein Grund, die langfristige kardiovaskuläre Sicherheit des Süßungsmittels genauer zu untersuchen.

Hinzu kommt: Xylit gelangt nicht ausschließlich über Lebensmittel in unseren Körper. Der Zuckeralkohol entsteht auch als Nebenprodukt des körpereigenen Glukosestoffwechsels und kommt in geringen Mengen natürlich in Lebensmitteln vor. In industriell gesüßten Produkten können allerdings erheblich höhere Mengen eingesetzt werden.

Zuckerfrei heißt nicht automatisch sorgenfrei

Studienleiter Witkowski warnt deshalb vor allem davor, Zuckerersatzstoffe automatisch als gesundheitlich völlig unproblematisch einzustufen. Die neuen Langzeitdaten zeigten vielmehr, wie viele Fragen zur Herz-Kreislauf-Sicherheit von Xylit noch offen seien.

{title && {title} } red, {title && {title} } 02.09.2026, 16:25
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