Die diesjährige Brutsaison des Kiebitz (Vanellus vanellus), unseres Jahresvogels 2026, zeigt in allen Projektregionen seines Schutzprogramms ein alarmierendes Bild: Extreme Trockenheit, fehlende Wasserflächen und menschliche Eingriffe setzen den Vögeln stark zu. Zwar gibt es vereinzelt noch Hoffnung auf Nachwuchs, insgesamt ist der Bruterfolg jedoch deutlich zurückgegangen. Die Ursachen ähneln sich in allen Regionen und verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf.
Die extreme Trockenheit im Frühjahr hat in vielen Regionen dazu geführt, dass Kiebitz-Jungtiere nicht ausreichend Nahrung finden konnten. "Besonders in trockenen Maisäckern fanden die Kiebitzfamilien nicht genügend Würmer oder Insekten, was in mehreren Gebieten zum kompletten Ausfall der Brut führte. Nur dort, wo Ackersutten, flache Gewässer oder Schottergruben als Rückzugsorte verfügbar waren, konnten Jungvögel überleben", berichtet Daniel Leopoldsberger, Projektverantwortlicher bei BirdLife Österreich.
Besonders deutlich haben sich die Auswirkungen im Zentralraum Oberösterreichs gezeigt, wo ein Großteil der österreichischen Kiebitz-Brutpaare vorkommt. Die Vögel sind heuer früh in ihren Brutgebieten eingetroffen und haben zeitig mit der Brut begonnen. Bereits Anfang April konnten die ersten Küken beobachtet werden. Die anhaltende Trockenheit und die laufende Bewirtschaftung der Flächen haben jedoch vielerorts dazu geführt, dass nur wenige Jungvögel erfolgreich flügge geworden sind.
Im Osten Österreichs zeigte sich ein anderes Bild: Viele Kiebitze begannen ihre Brut ungewöhnlich spät, teilweise erst Ende Mai oder Anfang Juni.
„Dies verlängert die Brutsaison 2026 auf ein Rekordniveau, bietet aber auch eine kleine Chance, da die Äcker zu diesem Zeitpunkt bereits bearbeitet waren und die Niederschläge aktuell wieder regelmäßiger werden“
Österreichs Wiesenbrüter brauchen generell Hilfe:
Doch nicht nur die Trockenheit bereitet den Vogelschützern Sorgen. In einigen Regionen scheint Prädation eine bisher unterschätzte Rolle zu spielen. "Beobachter aus Niederösterreich und dem Burgenland berichten von Trupps adulter Kiebitze ohne Jungvögel, die sich zur Nahrungssuche zusammenschließen", so Leopoldsberger: "Ein Hinweis darauf, dass es die Jungtiere nicht geschafft haben. Zusätzlich zur Trockenheit sind die Jungvögel möglicherweise in größerer Anzahl Beute von Räubern wie Fuchs, Rabenvögeln oder Mardern wurden."
Auch die ungewöhnlich niedrige Mäusepopulation in diesem Jahr könnte hier eine Rolle spielen, da Prädatoren auf alternative Beute ausweichen müssen.
Zusätzlich verschärfen menschliche Eingriffe die Situation: Grundwasserabsenkungen, die Verfüllung von Sutten mit Aushubmaterial oder Klärschlamm sowie Ausbaggerungen von Gewässern zerstören wichtige Lebensräume. Besonders im Tullnerfeld (Niederösterreich) zeigt sich, wie schnell sich die Bedingungen für den Kiebitz verschlechtern können:
"Nach einem Rekord-Brutjahr 2025 mit hohen Grundwasserständen nach dem Hochwasser 2024, sind die Bestände 2026 wieder stark zurückgegangen", weiß der Ornithologe Leopoldsberger, hier sei der direkte Zusammenhang mit den aktuellen Eingriffen in den Wasserhaushalt verdeutlicht.
Dort wo es zu Kooperationen zwischen Landwirten und Tierschützern gekommen ist, kann man durchaus Erfolge verbuchen und die Jungtiere konnten großteils erfolgreich schlüpfen. Die Initative "Gemeinsam für den Kiebitz" zeigt wieder ganz genau, dass alles möglich wäre, würden nur mehr Personen an einem Strang ziehen.
BirdLife Österreich fordert daher den Erhalt und die Wiederherstellung von Feuchtgebieten in allen Projektregionen, um den verbliebenen Kiebitzen lebenswichtige Rückzugsorte zu bieten, den Erhalt von Brachen und eine extensive Bewirtschaftung in Kombination mit attraktiven Fördermöglichkeiten.