Durch das Chaos im Gesundheitssystem bleiben immer wieder Patienten auf der Strecke. Ein neuer Fall aus der Steiermark legt den Finger direkt in die Wunde:
Wie berichtet, hatten Samstagabend nach einem medizinischen Notfall gleich mehrere Krankenhäuser die Annahme eines Patienten aus Limbach, Hartberg-Fürstenfeld, verweigert. Die Rettung durfte keines davon anfahren! Schließlich musste ein Rettungshubschrauber den Mann nach Graz fliegen.
Die Kliniken Oberwart (Bgl.), Wiener Neustadt (NÖ) und Feldbach (Stmk.) konnten den akuten Notfallpatienten trotz Lebensgefahr nicht übernehmen!
Sanitäter Markus Lang von der Freiwilligen Feuerwehr Pinggau war als First Responder zur Stelle: "Es ist doch eine weite Strecke von Pinggau nach Limbach, aber da die Region aktuell relativ schwach besetzt ist mit der Rettung, bin ich dann zum Einsatz gefahren", schildert er gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Der Mann war in seiner Kellersauna kollabiert und bewusstlos. Sofort wurden Notfallmaßnahmen eingeleitet, bis Notarzt und Rettung eintrafen. Schon die anschließende Bergung aus dem engen und angeräumten Haus war eine Herausforderung.
Noch komplizierter wurde es dann aber, ein Krankenhaus für den Notfallpatienten zu finden. Nach einer Reihe von Absagen blieb nur noch das LKH-Universitätsklinikum Graz als einzige Option.
„Es ist leider mittlerweile in unserem Gesundheitssystem eine übliche Vorgehensweise, dass man schauen muss, wer einen Notfallpatienten überhaupt annimmt.“Markus LangFirst Responder, Sanitäter, Flugretter
Einfach, wie früher, ein Krankenhaus anzufahren, das ist nicht mehr möglich. "Man muss schon voranmelden", schildert Lang. Das sei aber wegen der mangelnden Kapazitäten in der Region "sehr mühsam", viele Spitäler hätten schlicht keine Betten oder Ärzte frei.
Lang, der selbst auch bei der Flugrettung tätig ist, ließ deshalb einen Rettungshubschrauber rufen. "Wir sind dann im Rettungskonvoi von Limbach nach Pinggau". Dort, vor dem Rüsthaus seiner Feuerwehr, musste der Patient dann noch intubiert und stabilisiert werden, eher der Heli mit ihm abheben konnte.
Das Fazit des erfahrenen Retters ist ein Schlag in die Magengrube aller Notfallpatienten: "Es ist leider mittlerweile in unserem Gesundheitssystem eine übliche Vorgehensweise, dass man schauen muss, wer einen Notfallpatienten überhaupt annimmt."
Die Klinik Oberwart erklärt gegenüber der "Kleinen Zeitung", dass man die Aufnahme zum Wohle des Patienten abgelehnt habe. Man habe davon ausgehen müssen, dass der Mann intubiert und beatmet werden sowie auf der Intensivstation unterkommen muss. "Zu dem Zeitpunkt stand allerdings kein Beatmungsbett zur Verfügung, weshalb eine Aufnahme nicht verantwortbar gewesen wäre."
Man habe sich bemüht, rasch Platz zu schaffen, doch in der Zwischenzeit sei der Patient bereits in Graz untergekommen und versorgt worden, betont die Klinik: "Mit dem Hubschrauber bestehen Ausweichmöglichkeiten. Ein Patient, der bodengebunden mit der Rettung eintrifft, kann selbstverständlich nicht abgewiesen werden."