Blutkonserven waren nicht da

93-Jährige wartet sieben Stunden auf Krankenwagen

Eine schwer kranke Frau musste im Waldviertel stundenlang auf einen Krankentransport warten. Ihre Behandlung verzögerte sich erheblich.
Aram Ghadimi
11.02.2026, 05:30
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Johanna Schneider aus Kirchberg am Walde (Bezirk Gmünd) musste wegen akuter Blutarmut  in das Landesklinikum Gmünd gebracht werden. Dort ordneten Ärzte eine Behandlung mit Blutkonserven und die Verlegung der 93-Jährigen ins Landesklinikum Zwettl an.

Die Blutkonserven wurden rasch nach Zwettl geliefert, doch die hochbetagte Frau blieb stundenlang in Gmünd liegen – ein weiterer Fall, der Niederösterreichs Krankentransportwesen in die öffentliche Kritik bringt. "Heute" hat sich die Hintergründe angesehen.

Am Dienstagvormittag des 3. Februar 2026 wird ein Wagen des Roten Kreuzes zur Adresse der 93-Jährigen geschickt. Das Landesklinikum liegt nur 12 Autominuten von Schneiders Wohnadresse entfernt. Gegen 10.00 Uhr trifft sie dort ein. Sofort beginnen Ärzte mit der Abklärung, stellen eine Diagnose.

Der Weitertransport wird für 13 Uhr angefordert – doch, wie zahlreiche Medien berichten, trifft Schneider erst am Abend, nach sieben Stunden Wartezeit und stark geschwächt im 30 Minuten entfernten Zwettl ein.

Der Schwiegersohn der 93-Jährigen, Thomas Steininger, sagte gegenüber den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN), dass das medizinische Personal in den Krankenhäusern keine Schuld treffe: "Sie haben sich sehr bemüht. Hätten sie das gewusst, wären die Konserven nach Gmünd gebracht worden."

Die Johanniter sind in Niederösterreich seit Jahresbeginn für Krankentransporte zwischen Kliniken zuständig. Die Auswahl des Rettungsmittels sowie die zeitliche Einteilung erfolge ausschließlich durch den Notruf NÖ, hieß aus der Rettungsorganisation gegenüber der "Krone" und: "Die Disposition des Interhospitaltransfers erfolgte gemäß den bestehenden Vereinbarungen zwischen der Landesgesundheitsagentur (LGA) und den Johannitern." Man habe "das nächstverfügbare Fahrzeug" entsandt.

„Es reicht! Das sage ich mit einem direkt gewählten Mandat ins Parlament. Bürgerinnen und Bürger sind keine Bittsteller.“
Alois SchrollNationalrat, SPÖ

Seine Schwiegermutter, sagt Steininger, sei in beiden Landeskliniken und auch von den Sanitätern der Johanniter, die für den Weitertransport zuständig waren, bestmöglich betreut worden. Die Verantwortung sieht der Niederösterreicher anderswo: bei der LGA als Auftraggeberin der Transportdienste.

LGA und Gesundheitslandesrat zeigen sich betroffen

Dazu hieß es aus der Pressestelle der LGA gegenüber der NÖN: "Wir verstehen, dass Wartzeiten belastend sein können und ein Klinikaufenthalt immer eine Ausnahmesituation ist. Selbstverständlich gibt es laufende Abstimmungen, um sicherzustellen, dass Abläufe optimiert werden und die vereinbarten Leistungen von unseren Vertragspartnern wie vereinbart, erbracht werden." Sieben Stunden Wartezeit seien jedenfalls nicht akzeptabel, das Warten solle "so kurz wie möglich" gehalten werden.

Der verantwortliche Gesundheitslandesrat Anton Kasser (ÖVP) sagte wiederum gegenüber der NÖN: "Sollte ein Transport von einer zur anderen Klinik notwendig sein, muss das reibungslos funktionieren. Darüber gibt es keine Diskussionen. Als zuständiger Landesrat erwarte ich schleunigst Lösungen im Sinne der Patientinnen und Patienten."

SPÖ-Nationalrat: "Es reicht!"

Mit einer Botschaft an ÖVP-Gesundheitslandesrat Kasser wandte sich SPÖ-Nationalrat Alois Schroll am Dienstag an "Heute": "Es reicht!" – mit dieser Feststellung beginnt der Parlamentarier seine Ausführungen. Kasser müsse als zuständiger Landesrat endlich eingreifen, "oder müssen Menschen vorher sterben?", fragt der Politiker aus dem Mostviertel.

An den Geschäftsführer des Notruf NÖ, Christian Fohringer, richtet Schroll die klare Aufforderung: "Treten Sie zurück, bevor Sie noch mehr Schaden anrichten. Sie behaupten in einer ORF-Sendung, dass Notarztfahrzeuge zur Hälfte umsonst zu Einsatzorten fahren. Dann sagen Sie mir: Wer betreibt denn die Disposition der Einsätze? Das sind Sie als "Notruf 144."

Dann holt Schroll weiter aus: "Herr Fohringer, in einer aktuellen Stellungnahme sagen Sie außerdem, dass die Disposition im besagten Fall zwischen der LGA und den Johannitern erfolgt sei." Die Geschäftsführerin der LGA, Frau Bräutigam, schiebe den Fehler ebenfalls ab: "Schön langsam gewinne ich den Eindruck, dass Sie Niederösterreichs Patientinnen und Patienten sagen wollen, dass sie selbst schuld seien, wenn sie kein Transportmittel von A nach B bringt", setzt Schroll nach.

Seit Monaten kursierten Medienberichte, in denen "uns Bräutigam, Fohringer und Co erklären, es sei alles in bester Ordnung. Dass es jetzt reicht, sage ich mit einem direkt gewählten Mandat ins Parlament. Bürgerinnen und Bürger sind keine Bittsteller, sie haben auch in Niederösterreich den vollen Anspruch auf beste medizinische Versorgung."

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Prüfung angekündigt

Die Johanniter kündigten bereits an, die jüngsten Fälle gemeinsam mit Notruf NÖ und der LGA prüfen zu wollen. Gegenüber "Heute" und anderen Medien betont man, dass im Bedarfsfall zusätzliche Ressourcen freigemacht werden sollen, Abläufe optimiert und eine Erweiterung der Fahrzeugflotte vorgenommen werden soll. Bereits in Planung sei ein zusätzlicher Standort im Waldviertel, um die regionale Verfügbarkeit zu verbessern.

Der Fall der 93-jährigen Patientin zeigt erneut, wie gravierend die Folgen organisatorischer Engpässe für schwer kranke Menschen sein können – und wie dringend funktionierende Lösungen gefordert werden.

{title && {title} } agh, {title && {title} } 11.02.2026, 05:30
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