Wie stark Alkohol noch immer Teil des Alltags der Österreicher ist – und wie sehr sich Trinkgewohnheiten über die Generationen hinweg verändern – zeigt eine aktuelle Umfrage des Online Research Instituts Marketagent.
Befragt wurden über 1.000 Menschen zwischen 16 und 75 Jahren. Das Ergebnis: Alkohol gehört nach wie vor für viele zum gesellschaftlichen Leben – gleichzeitig steigt das Interesse an Verzicht und 0-Prozent-Alternativen.
Überraschend, aber nicht wirklich neu: Sechs von zehn Österreichern trinken mindestens einmal im Monat Alkohol. Spitzenreiter sind die Millennials (geboren 1980–1993) mit 67,6%. Zwei- bis dreimal pro Woche greifen 15,7% der Befragten zum Glas, vier- bis sechsmal pro Woche immerhin 4,6%. Doch der Trend zum bewussten Verzicht ist stark spürbar: 55,8% gaben an, Phasen ohne Alkohol einzulegen. 85,1% halten es für wichtig, bewusst mit Alkohol umzugehen, und 77,6% sagen, keinen Alkohol zu brauchen, um Spaß zu haben.
47,2% greifen lieber zu alkoholfreien Alternativen. Besonders die GenerationZ treibt diesen Trend voran: Vier von zehn jungen Erwachsenen haben bereits alkoholfreien Gin, Rum & Co. ausprobiert – deutlich mehr als ältere Befragte.
Doch die Statistik zeigt auch die Kehrseite: Fast zwei Drittel gaben an, öfters zu trinken, als sie es eigentlich wollten – bei der GenerationZ sind es sogar 77%. Ärger über das eigene Verhalten oder ein schlechtes Gefühl am nächsten Tag sind keine Seltenheit. 12,4% verbinden Alkohol mit Kontrollverlust, 7,4% mit einem Kater.
"Die aktuelle Trinkkultur ist geprägt von einem Spannungsfeld aus Genuss, Gruppendynamik und Selbstkontrolle. Alkohol bleibt ein fixer Bestandteil vieler gesellschaftlicher Rituale und viele schätzen den kleinen Genussmoment, das berühmte 'Gönn dir'. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Kontrolle und bewusstem Verzicht. Ein Balanceakt, der besonders bei jungen Menschen sichtbar wird", erklärt Marketagent-Gründer Thomas Schwabl.
Für fast die Hälfte der Befragten ist die Entscheidung, ob am Wochenende ein Drink dazu kommt, spontan. Andere verzichten bewusst (14,1 %), während nur wenige Alkohol als festen Bestandteil ihres Wochenendes sehen (2,2 %).
Die Zahl der Anti-Alkoholiker steigt: 2022 lag ihr Anteil noch bei 11%, inzwischen sind es 18,8%. Bei Frauen sogar 24%, bei Männern 13,7%, bei den Babyboomern 20,5%. Die Gründe: Gesundheit, weniger Belastung für den Körper und oft auch schlicht der Geschmack. Zwei Drittel haben bereits alkoholfreies Bier probiert, und ein Drittel wünscht sich mehr alkoholfreie Alternativen.
Ein Gedankenspiel zum Schluss: Auf die Frage, wie sie reagieren würden, wenn Alkohol ab morgen verboten wäre, antworteten über 61% der Befragten positiv – im Titel augenzwinkernd als "fast drei Vierterl" aufgerundet, in gastronomischen Maßen gerechnet wären es eher "fast zwei Seiterl". 38,6% sähen ein generelles Alkoholverbot hingegen als schade bis sehr schwierig an.