Neue Namen, neue Fragen: In den jüngst veröffentlichten Epstein-Akten sorgt eine Liste mit prominenten Persönlichkeiten für politischen Wirbel in den USA.
Während viele Passagen weiterhin geschwärzt sind, legte der demokratische Abgeordnete Ro Khanna im Kongress jetzt mehrere Namen offen – darunter den Ex-Victoria’s-Secret-Chef Leslie "Les" Wexner und den Unternehmer Sultan Ahmed bin Sulayem.
Seit Tagen wächst die Kritik an der US-Justiz. Viele Namen seien "ohne ersichtlichen Grund einfach geschwärzt worden", so der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin. Auch der Republikaner Thomas Massie bemängelte, dass die Identität von sechs Männern verborgen bleibe, die "durch ihre Erwähnung in diesen Akten wahrscheinlich belastet würden". Khanna selbst erklärte, es gebe "keine Erklärung dafür, warum diese Personen geschwärzt wurden".
Neben Wexner und bin Sulayem nannte er Nicola Caputo, Salvatore Nuara, Zurab Mikeladze und Leonic Leonov. Zugleich betonte Khanna, dass allein die Nennung eines Namens keine strafrechtliche Schuld bedeute.
Wexner, einst einer der wichtigsten Geschäftspartner Epsteins, gilt als schillernde Figur. Das FBI stuft ihn in den Akten als Mittäter ein, seine genaue Rolle bleibt jedoch unklar.
US-Medien sprechen von einer der "verwirrendsten Fragen" im gesamten Epstein-Komplex. Der Unternehmer erklärte, er habe die Verbindung zu Epstein bereits 2007 beendet.
Auch Sultan Ahmed bin Sulayem, Chef des Hafenriesen DP World, taucht in den Unterlagen auf. Ermittler verweisen auf eine E-Mail Epsteins mit der Botschaft: "Ich mochte das Folter-Video." Nach den neuen Vorwürfen zog ein kanadischer Fonds geplante Investitionen zurück.
Weitere Passagen der Akten betreffen internationale Kontakte: Ein französischer Diplomat, norwegische Spitzenpolitiker und sogar der frühere Premier Thorbjørn Jagland werden erwähnt. Über einige der genannten Männer ist dagegen kaum etwas bekannt.
Während die Namen prominenter Männer Schlagzeilen machen, erinnern Politiker daran, worum es eigentlich geht.
"Man liest diese Akten und stößt auf 15-jährige Mädchen, 14-jährige Mädchen, zehnjährige Mädchen", sagte Raskin. "Heute habe ich sogar von einem neunjährigen Mädchen gelesen. Das ist einfach absurd und skandalös."
Eine der bekanntesten Stimmen der Opfer war Virginia Giuffre, die sich im vergangenen Jahr das Leben nahm.
Ihre Familie richtete schwere Vorwürfe an Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell: "Sie waren keine Unbeteiligte. Sie wurden nicht 'in die Irre geführt'. Sie waren eine zentrale, bewusste Akteurin in einem System, das darauf ausgelegt war, Kinder aufzuspüren, sie zu isolieren, sie zu manipulieren und sie dem Missbrauch auszuliefern. Sie haben Vertrauen als Waffe eingesetzt. Sie haben Verletzlichkeit ausgenutzt und sich so Zugang verschafft."