Angst vor US-Invasion

"Nur zur Sicherheit" – Grönländer schmieden Fluchtpläne

In Grönland wächst die Angst vor einer US-Invasion. Viele Bewohner fürchten eine Annexion durch Trump und bereiten sich auf den Ernstfall vor.
Newsdesk Heute
18.01.2026, 06:50
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In Grönland wächst die Anspannung: Immer mehr Menschen fürchten sich vor einer US-Invasion und bereiten sich auf ein Szenario vor, das lange undenkbar schien. So auch Tillie Martinussen.

Wenn es zum Äußersten kommt, hat sie bereits einen Plan. "Mein Freund und ich haben überlegt, Flugtickets nach Dänemark zu kaufen – nur zur Sicherheit", sagt sie gegenüber "Focus". "Und ansonsten können wir immer noch raus in den Fjord und die Küste rauf oder runter segeln. Dort können wir auch überleben." Dass sie diese Optionen überhaupt durchdenkt, zeigt, wie nah sich die Bedrohung inzwischen anfühlt.

Die 45-Jährige gilt als offene Kritikerin von US-Präsident Donald Trump – und nimmt dessen wiederkehrende Drohungen, Grönland annektieren zu wollen, besonders ernst.

Mischung aus Angst und Wut

"Erst standen wir unter Schock, dann haben wir Angst bekommen, und jetzt bin ich einfach nur noch wütend", sagt Martinussen. Als Trumps Sohn vor rund einem Jahr in Nuuk auftauchte und Maga-Kappen („Make America Great Again“) verteilte, hielten viele das zunächst für einen schlechten Witz. "Dann haben wir gemerkt, dass sie das wirklich so meinen", erzählt sie.

Dabei wirkt Nuuk nach außen ruhig. Doch zwischen den Häusern, in den wenigen zentralen Straßen, mischen sich Machtlosigkeit und Trotz. Die 78-jährige Hansine Broberg Geisler bringt es in einem Satz auf den Punkt: "Er soll uns auf jeden Fall nicht Grönland wegnehmen, der Idiot", sagt sie über Trump. "Er soll bleiben, wo er hingehört. Ich will ihn hier nicht haben."

Im Zentrum verkauft ein Laden T-Shirts mit der Aufschrift "Grönland steht nicht zum Verkauf". Cecilie Groth schiebt einen Kinderwagen durch die Einkaufsstraße und ringt mit ihren Gedanken. "Mein Verstand sagt: Natürlich marschiert er hier nicht einfach ein", sagt sie. "Aber manchmal gehen die Gefühle mit einem durch und man denkt: Wachen wir morgens auf und sie sind einfach da? Was ist dann mit der Zukunft unserer Kinder? Das macht mir Angst."

"Wir wollen das nicht"

Auffällig ist auch: In Nuuk sind zeitweise mehr internationale Journalisten zu sehen als Einheimische. Hotels sind mit Kamerateams gefüllt, Mietautos waren zwischenzeitlich knapp. Und selbst wer eines bekommt, kommt damit nicht weit: Auf der Insel sind keine zwei Orte per Straße verbunden, viele Flüge gehen nur selten, sind teuer und stark von Wetter und Wind abhängig. Damit konzentriert sich vieles auf die Hauptstadt – auch die Weltöffentlichkeit.

Manchen ist diese Aufmerksamkeit zu viel. Gleichzeitig hoffen viele, dass die Berichte im Ausland etwas bewirken. Martinussen gibt deshalb nahezu täglich Interviews. "Ich finde, es ist meine Pflicht als Grönländerin, jedem zu sagen: Wir wollen das nicht."

Wollen Unabhängig bleiben

Dass Grönland nicht Teil der USA werden soll, darin sind sich inzwischen die meisten einig. Streit gibt es eher bei der Frage, wie eng das Verhältnis zu Dänemark künftig sein soll. Kim Nielsen Mørck formuliert es so: "Ich will weder Däne noch Amerikaner sein – ich will, dass wir selbstständige Grönländer sind", sagt er. "Und das können wir auch."

Denn auch wenn Grönland seit 1953 keine Kolonie mehr ist und weitgehend autonom regiert wird, gehört es weiterhin zum dänischen Königreich. Viele Menschen haben enge Verbindungen nach Dänemark, andere sehen es als das kleinere Übel im Vergleich zu Trump – doch auch das sorgt für Unbehagen. "Ich mag es nicht, dass jetzt mehr dänische Soldaten auf unseren Straßen zu sehen sind", sagt Thoe Noahsen, der in der Innenstadt einen kleinen Second-Hand-Stand betreibt.

"Wenn er einmarschiert, ist alles vorbei"

Martinussen wiederum empfindet die internationale Solidarität als wichtiges Signal – auch wenn sie sich keine Illusionen macht. "Diese Unterstützung zu bekommen, das bedeutet uns wahnsinnig viel", sagt sie. Und doch bleibt in Nuuk das Gefühl, dass am Ende nicht T-Shirts, Interviews oder Verbündete entscheiden könnten. Martinussen sagt: "Wenn er in Grönland einmarschiert, dann ist alles vorbei."

{title && {title} } red, {title && {title} } 18.01.2026, 06:50
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