Neue Fragen rund um ORF-Manager Pius Strobl: Eine Baufirma, die millionenschwere Aufträge vom ORF erhalten hat, führte auch Arbeiten an seinem Privathaus in Wien durch. Der ORF verweist auf transparente Abläufe und Ausschreibungen.
Strobl ist seit Ende 2014 oberster Bauverantwortlicher des ORF. Der frühere Grünen-Mitgründer sorgt derzeit bereits wegen seiner millionenschweren Zusatzpensions-Forderung für Diskussionen. Nun steht zusätzlich ein mögliches Compliance-Thema im Raum.
Konkret geht es um die Baufirma Sedlak. Das Unternehmen arbeitete in den vergangenen Jahren mehrfach für den ORF und erhielt Aufträge in Millionenhöhe. Gleichzeitig führte die Firma auch Sanierungsarbeiten an Strobls Wohnhaus in Wien-Ottakring durch.
Laut Bericht der "Krone" summieren sich allein die Aufträge rund um den ORF-"Medienstandort" am Küniglberg auf 20,9 Millionen Euro. Zusätzlich erhielt Sedlak nach Ausschreibungen den Zuschlag für Dachsanierungen bei sieben Landesstudios. Das Gesamtvolumen dieser Vereinbarung liegt laut ORF bei rund neun Millionen Euro. Insgesamt geht es damit um rund 30 Millionen Euro.
2024 kam es im Keller von Strobls Haus, das 2021 errichtet wurde, zu einem Wasserschaden. Laut Bericht handelte es sich um einen Versicherungsfall mit Kosten von rund 199.000 Euro. Nach einer Entscheidung Strobls soll die Versicherung die Firma Sedlak mit den Arbeiten beauftragt haben.
Zusätzlich vergab Strobl private Aufträge an das Unternehmen. Dabei ging es laut Bericht um die Sanierung einer verschimmelten Holzfassade, einen undichten Balkon sowie Umbauten im Eingangsbereich. Für diese Arbeiten sei das Gebäude eingerüstet worden, inklusive Firmenlogos der Baufirma. Die Kosten dafür bezifferte Strobl mit 57.000 Euro, die er laut eigenen Angaben im September 2024 privat bezahlt habe.
Die Verbindung zwischen den ORF-Aufträgen und den privaten Arbeiten sorgt nun für Diskussionen. Strobl erklärte dazu, die zusätzliche Beauftragung sei "Aus Effizienzgründen" erfolgt, da die Baustelle bereits eingerichtet gewesen sei.
Laut Bericht soll Strobl bereits im März 2024 ORF-intern verstärkt für die Firma Sedlak geworben haben. Demnach habe er sich positiv über das Unternehmen geäußert und um eine Autorisierung ersucht, damit Sedlak eine Fassadensanierung beim Landesstudio Graz übernehmen könne. Die Kosten dafür sollen bei rund 600.000 Euro gelegen haben.
Der ORF betont indes, dass Strobl "keine Möglichkeit" gehabt habe, Aufträge alleine zu vergeben. Sämtliche Entscheidungen seien von Experten geprüft und letztlich von der Generaldirektion freigegeben worden.
Ob Strobl die privaten Arbeiten durch die ORF-nahe Firma intern offengelegt hat, blieb offen. Er erklärte lediglich, es gebe keine Umstände, die Unvereinbarkeiten auslösen würden. Alles sei transparent und nachvollziehbar gewesen. "Eine Vorteilsannahme für mich schließe ich aus."