Schockierende Szenen am Halloween-Abend in Paris! Bei schweren Ausschreitungen am Rande einer Demonstration gegen die hohen Lebenshaltungskosten ist am Samstag ein Polizist durch einen Molotow-Cocktail in Brand geraten.
Videos des Angriffs verbreiteten sich rasend schnell in den sozialen Netzwerken. Jetzt hat der betroffene Beamte ausführlich über die dramatischen Sekunden gesprochen.
Die Szenen ereigneten sich gegen 17 Uhr im Bereich der Porte de Charenton. Dort kam es nach einer zuvor weitgehend friedlichen Demonstration zu heftigen Zusammenstößen zwischen gewaltbereiten Gruppen und den Sicherheitskräften. Pflastersteine flogen, die Polizei setzte Tränengas ein.
Plötzlich wurde aus der Menge ein Molotow-Cocktail auf eine Gruppe von Polizisten geworfen. Der Brandsatz prallte an einem Schutzschild ab, fiel zu Boden und ging in Flammen auf. Binnen Sekunden stand die Schutzausrüstung eines Beamten an den Beinen in Flammen.
Der betroffene Beamte, ein Mitglied der französischen Gendarmerie, schilderte später gegenüber französischen Medien, dass er den Angriff zunächst gar nicht bemerkt hatte. Erst als die Schmerzen einsetzten, wurde ihm bewusst, in welcher Gefahr er schwebte.
"Ich habe nicht gesehen, wie mich das Geschoss traf oder sich die Flüssigkeit über mich verteilte", erklärte er gegenüber BFMTV. "Erst als ich die ersten Schmerzen spürte, wurde mir klar, was passiert war."
Besonders erschreckend: Der Polizist konnte regelrecht spüren, wie sich das Feuer durch seine Schutzausrüstung fraß. "Man spürt, wie die Hitze zunimmt, wie die Ausrüstung beschädigt wird und wie die Haut zu brennen beginnt", berichtete er.
Gegenüber RTL schilderte der Beamte weitere Details des Angriffs. Seine Unterbekleidung sei stark beschädigt worden, Kunststoffteile seiner Bein- und Schienbeinschützer seien geschmolzen. Sogar die Befestigungsriemen hätten der enormen Hitze nicht standgehalten.
"Die brennbare Substanz war so fettig, dass ich spüren konnte, wie sie sich auf meiner Haut ausbreitete", erzählte er. Währenddessen habe er sich nur gefragt, wann das Brennen endlich aufhören würde.
Der Angriff auf den Beamten war kein Einzelfall. Bei den heftigen Ausschreitungen an der Porte de Charenton wurden mehrere Molotow-Cocktails auf die Sicherheitskräfte geschleudert. Videos in sozialen Netzwerken zeigen unterschiedliche Angriffe mit Brandsätzen. Auf einer Aufnahme ist zu sehen, wie Kollegen einen brennenden Beamten löschen.
Die Bilanz: Insgesamt wurden bei den Krawallen in Paris fünf Einsatzkräfte verletzt, darunter vier Polizisten und ein Gendarm. Drei von ihnen erlitten durch Molotow-Cocktails Verbrennungen. Wie viele Brandsätze insgesamt geworfen wurden, ist noch unklar.
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez reagierte mit scharfen Worten auf die Gewalt. Den Wurf eines Molotow-Cocktails auf den Beamten bezeichnete er als "versuchten Mord". Er verurteilte die heftigen Angriffe gewaltbereiter Gruppen auf die Sicherheitskräfte.
Der betroffene Beamte hatte dabei noch Glück im Unglück: Laut Innenminister erlitt er nur leichte Verletzungen und konnte seinen Dienst sogar fortsetzen.
Die Bilanz der Proteste fällt dennoch heftig aus. Nach Angaben des französischen Innenministeriums wurden am Samstag bis 21 Uhr landesweit 565 Menschen festgenommen. Allein in Paris registrierten die Behörden 79 Festnahmen und 5.745 Polizeikontrollen.
Die Sicherheitskräfte waren auf mögliche Ausschreitungen vorbereitet: Rund 70.000 Polizisten und Gendarmen standen in ganz Frankreich im Einsatz. Insgesamt wurden landesweit rund 40.000 Kontrollen durchgeführt, davon 15.000 im Großraum Paris.
Die Zahlen stammen aus der vorläufigen Bilanz vom Samstagabend. Eine endgültige Gesamtbilanz der Halloween-Nacht lag am Sonntagvormittag noch nicht vor.
Hintergrund der Ausschreitungen war die dritte große Protestwelle gegen die hohen Lebenshaltungskosten in Frankreich. Nach Angaben des Innenministeriums demonstrierten am Samstag landesweit rund 320.000 Menschen, davon etwa 70.000 in Paris. Die Organisatoren sprachen hingegen von knapp 500.000 Teilnehmern in ganz Frankreich und 200.000 in der Hauptstadt.
Der Großteil der Demonstrationen verlief friedlich. Erst gegen Ende des Protestmarsches kam es an der Porte de Charenton zu gewaltsamen Zusammenstößen. Die Behörden hatten wegen der zeitgleich stattfindenden Halloween-Feiern besonders strenge Sicherheitsmaßnahmen getroffen.
In Paris beruhigte sich die Situation am Abend weitgehend. Gegen 21 Uhr meldete die Polizei eine ruhige Lage im Großraum der Hauptstadt. Auch im Viertel Châtelet-Les Halles, wo weitere Ansammlungen befürchtet worden waren, blieb es zunächst ruhig.
Trotz der dramatischen Bilder kam der betroffene Beamte vergleichsweise glimpflich davon. Der Mann gehört zur mobilen Bereitschaftsgendarmerie Frankreichs und erklärte noch am Samstagabend gegenüber dem Fernsehsender LCI, dass es ihm "gut" gehe. Laut Innenminister Laurent Nuñez erlitt er nur leichte Verletzungen und konnte seinen Dienst sogar fortsetzen. Sein Name wurde bisher nicht öffentlich bekannt gegeben.
Allerdings berichtete der Gendarm von zahlreichen weiteren Verletzten in seiner eigenen Einheit. Mehr als zehn seiner Kollegen seien bei den heftigen Angriffen verletzt worden. Er sprach unter anderem von Verbrennungen, Kopfverletzungen, Verletzungen durch Explosionen und Wunden, die genäht werden mussten.
"Wir wurden mit einer unglaublichen Intensität angegriffen", schilderte der Beamte. Erst beim späteren Anblick der Videoaufnahmen sei ihm bewusst geworden, welcher Katastrophe sie womöglich entgangen seien.