Das Österreichische Rote Kreuz fordert Änderungen bei den Regeln für die Kostenübernahme von Krankentransporten. Die Hilfsorganisation sieht durch die Vorgaben der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) den Zugang zur medizinischen Versorgung gefährdet.
Seit 1. Juli 2025 hebt die ÖGK Selbstbehalt für planbare Krankentransporte und Krankenbeförderungen ein. Seit 1. Mai 2026 gelten zudem strengere Voraussetzungen für die Kostenübernahme. Bezahlt werden planbare Krankentransporte nur noch dann, wenn eine medizinisch begründete und ärztlich bestätigte Gehunfähigkeit vorliegt.
Fehlende öffentliche Verkehrsmittel, organisatorische Probleme oder das Fehlen einer Begleitperson reichen laut den geltenden Regeln nicht mehr aus. Werden die Voraussetzungen nicht erfüllt, müssen Betroffene die Kosten für den Transport selbst tragen.
Rotkreuz-Präsident Gerald Schöpfer kritisiert die neuen Vorgaben deutlich. Sinngemäß erklärt er, dass der Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung weder vom Wohnort noch von den finanziellen Möglichkeiten oder der Verfügbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel abhängen dürfe.
Nach Angaben des Roten Kreuzes ist die Zahl der Krankentransporte seit Einführung der Selbstbehalte bereits zurückgegangen. Schöpfer warnt, dass sich dieser Trend weiter verschärfen könnte. Die Folge sei, dass notwendige Behandlungen später oder überhaupt nicht wahrgenommen würden. Das verursache nicht nur persönliches Leid, sondern langfristig auch höhere Kosten für das Gesundheitssystem.
Gleichzeitig betont der Rotkreuz-Präsident, dass das Rote Kreuz notwendige Krankentransporte weiterhin zuverlässig durchführen werde. Damit dies auch künftig möglich sei, müssten die aktuellen Regelungen jedoch rasch überprüft und angepasst werden.
Das Rote Kreuz verweist darauf, dass Krankentransporte einen wesentlichen Teil seiner Arbeit ausmachen. Im Jahr 2025 wurden österreichweit insgesamt 3.216.607 Rettungseinsätze durchgeführt. Davon entfielen 1.910.225 auf Sanitätseinsätze beziehungsweise Krankentransporte.
Neben den neuen Vorgaben kritisiert die Hilfsorganisation auch die Finanzierung. Laut Schöpfer decken die Tarife der ÖGK die tatsächlichen Kosten seit Jahren nicht mehr ab. Gleichzeitig würden die Rettungsorganisationen mit steigenden Ausgaben etwa für Treibstoff, Medikamente und Medizinprodukte konfrontiert. Deshalb fordert das Rote Kreuz eine klare Zuständigkeit bei der Finanzierung und eine ausreichende Abgeltung der Leistungen.