Die Ermittlungen rund um das SOS-Kinderdorf in Moosburg nehmen immer größere Ausmaße an. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Vorjahr melden sich so viele Betroffene wie noch nie – und der Tatzeitraum reicht bis in den Herbst 2025.
Was zunächst als einzelner Skandal begann, hat sich inzwischen zu einem der größten Fälle in Kärnten seit Jahren entwickelt. Die Zahl der Beschuldigten ist massiv gestiegen, die Behörden arbeiten unter Hochdruck an der Aufarbeitung.
Laut Staatsanwaltschaft Klagenfurt laufen derzeit zahlreiche Verfahren parallel. Markus Kitz beschreibt gegenüber der "Krone" die Dimensionen so: "Wir führen 15 Ermittlungsverfahren gegen über 180 bekannte Täter sowie einige weitere gegen Unbekannte." Ziel sei es nun, jede einzelne Anschuldigung genau zu prüfen und zwischen belegbaren und unbegründeten Vorwürfen zu unterscheiden.
Die Ermittlungen gestalten sich jedoch schwierig. Viele der mutmaßlichen Taten liegen weit zurück, was die Beweisführung erschwert. Zudem sind nicht mehr alle Beteiligten am Leben. "Die Probleme bestehen insbesondere an den zum Teil sehr lange zurückliegenden Taten und somit in der Erweislichkeit sowie die Einordnung der Straftaten", erklärt Kitz.
Hinzu kommt die komplexe rechtliche Bewertung. Über die Jahre hinweg haben sich Gesetze mehrfach geändert. Für die juristische Beurteilung ist jeweils jene Rechtslage entscheidend, die zum Zeitpunkt der Tat galt – und zwar in der für die Beschuldigten günstigsten Form.
Bevor mögliche Verantwortlichkeiten auf institutioneller Ebene geklärt werden können, müssen zunächst die einzelnen Tatvorwürfe abgearbeitet werden. Erst danach kann geprüft werden, ob auch Behörden oder die Organisation selbst zur Rechenschaft gezogen werden können.
Schon jetzt zeigt der Fall jedoch deutlich, dass es über Jahrzehnte hinweg Versäumnisse im Kinderschutz gegeben haben könnte. Eine rein juristische Aufarbeitung dürfte daher kaum ausreichen, um die Vorgänge vollständig aufzuklären.