Lange Wartezeiten auf Untersuchungen, Probleme bei Operationsterminen oder Sorgen um die Versorgung im Notfall: Die SPÖ Niederösterreich will nun direkt von Betroffenen erfahren, wo es im Gesundheitssystem hakt.
Unter dem Motto "Wenn Gesundheit Sorgen macht" hat die Partei eine eigene Plattform gestartet. Dort können Patienten, Angehörige und Beschäftigte im Gesundheitsbereich ihre Erfahrungen schildern. Die Angaben sollen laut SPÖ vertraulich behandelt werden.
"Wie gut ein Gesundheitssystem funktioniert, zeigt sich nicht in Organigrammen und Strukturplänen, sondern dann, wenn ein Mensch Hilfe braucht", erklärt Landesrat Sven Hergovich, Chef von der SPÖ Niederösterreich. Die Partei interessiert besonders, wie lange Patienten auf notwendige Termine warten, ob im Ernstfall rasch genug ein Notarzt verfügbar ist und unter welchen Bedingungen Ärzte, Pflegekräfte und Sanitäter arbeiten müssen.
Hergovich verweist dabei auf eine ähnliche Aktion aus dem Jahr 2024. Damals hätten sich unter anderem Eltern über lange Wartezeiten auf HNO-Eingriffe bei Kindern beschwert. Die SPÖ griff das Thema politisch auf. Später wurde in Klosterneuburg ein Angebot für tagesklinische HNO-Operationen geschaffen.
"Das zeigt: Zuhören kann etwas verändern", sagt Hergovich. Wo konkrete Hilfe möglich sei, wolle man tätig werden. Bei größeren Problemen kündigt die SPÖ politischen Druck an.
Besonders brisant ist derzeit die Debatte um die Zukunft der Notarztstützpunkte in Niederösterreich. In mehreren Regionen gibt es Sorgen, dass Änderungen bei der Struktur die Versorgung im Ernstfall verschlechtern könnten.
Für Hergovich ist die Reihenfolge klar: Zuerst müssten angekündigte Ersatzmaßnahmen und Verbesserungen tatsächlich funktionieren. Erst danach dürfe über weitere Änderungen gesprochen werden. Auch SPÖ-Gesundheitssprecher Rudi Silvan setzt auf möglichst viele Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Häufen sich ähnliche Beschwerden aus mehreren Regionen, könne das auf ein grundsätzliches Problem hinweisen.
Silvan warnt zudem vor einer Zwei-Klassen-Medizin. Es dürfe nicht davon abhängen, wie viel Geld jemand habe, ob ein notwendiger Arzttermin rasch verfügbar sei.
Kritik kommt von der ÖVP Niederösterreich. VPNÖ-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner wirft Hergovich vor, die Bevölkerung zu verunsichern. Rotes Kreuz und Samariterbund hätten für die Umstrukturierung der NEF-Stützpunkte bereits entsprechende Ersatzmaßnahmen vorbereitet. "Die Fakten liegen auf dem Tisch – man muss sie nur endlich zur Kenntnis nehmen", so Zauner.
Auch die neue Plattform sieht er kritisch und wirft Hergovich vor, der Patientenanwaltschaft Konkurrenz machen zu wollen. Sein Vorwurf: "Angst schüren ist keine Gesundheitspolitik!"
Die SPÖ-Plattform ist ab sofort online. Rückmeldungen können laut Partei anonym oder mit Namen abgegeben werden und sollen künftig auch zeigen, wo es im niederösterreichischen Gesundheitssystem besonders dringend brennt.