Der Tierschutz in Österreich geht laut Vereinen meist einen Schritt nach vorn und zwei zurück. Vor allem Wildtiere haben einen schweren Stand, sobald sie "unbequem" werden und das wirtschaftliche Interesse von Jägern, Landwirten und Teichwirten beeinträchtigen. Als "Schädlinge" denunziert sind Wolf, Biber, Graureiher oder Otter besonders arm dran und am Welttag des Artenschutzes, am 3. März, im Fokus des Österreichischen Tierschutzvereins.
Als der erste Storch heuer nach Marchegg zurückgekehrt war, gab es keine einzige Negativ-Schlagzeile und jeder freut sich über den Nachwuchs-bringenden Riesenvogel. Doch wehe, ein Wolf schleicht mehrere hundert Meter an einem Feld vorbei, oder ein Otter fängt einen Fisch zu viel - dann werden EU-Verordnungen gekippt und die Waffen gezückt.
„Bundesländer wie Niederösterreich, Oberösterreich, Kärnten, Salzburg, Steiermark, Tirol und Vorarlberg haben die gesetzlichen Schutzbestimmungen aufgeweicht und eigene Abschusspläne beziehungsweise -verordnungen erlassen. Diese ermöglichen das präventive oder planmäßige Töten geschützter Wildtiere, meist ohne eine individuelle Einzelfallprüfung.“Alexios WiklundÖsterreichischer Tierschutzverein, Pressesprecher
Vor allem der Vergleich zwischen Storch und Graureiher lässt die "Doppelmoral" gut beweisen: Beide jagen ähnliche Beute. Doch während der Storch als romantischer "Babybote" gilt und selbst Bahngleise blockieren darf, wird der Graureiher vielerorts bejagt, weil er an künstlichen Fischteichen wirtschaftliche Interessen stört. Dabei stabilisiert er Feuchtgebiete, reguliert Bestände und trägt zur Gesundheit der Ökosysteme bei. Und obwohl er auf den Roten Listen von Salzburg und Oberösterreich vorkommt, dürfen 106 Exemplare in Salzburg 2026/27 geschossen werden.
„Besonders brisant war Anfang Februar in Kärnten der Abschuss eines mit GPS-Halsband ausgestatteten Forschungswolfs der Universität Udine.“
Wenn sich Natur und Wirtschaft gegeneinander ausspielen, gewinnt keine Seite. Ein professionelles Konfliktmanagement, faire Entschädigungen und eine sachliche Debatte darf nicht länger "zu viel Arbeit" sein. Der Österreichische Tierschutzverein fordert daher:
• Strenge, wissenschaftlich fundierte Schutzgesetze ohne populistische Ausnahmen.
• Stopp von Massenabschüssen und Fokus auf Koexistenz (Herdenschutz, Vergrämung) reduzieren Konflikte nachhaltig, ohne Ökosysteme zu schädigen.
• Entscheidungen auf wissenschaftliche Erkenntnis und nicht auf Bauchgefühl.
• Offene, sachliche Debatte über das Zusammenleben von Menschen und Wildtieren. Das stärkt Akzeptanz und verhindert Polarisierung zwischen Naturschutz und Wirtschaft.