Paracetamol in Schwangerschaft

Dieses Schmerzmittel könnte Folgen für Töchter haben

Das Schmerzmittel gilt in der Schwangerschaft als wichtige Option gegen Schmerzen. Eine neue Studie rückt nun mögliche Langzeitfolgen in den Fokus.
Heute Life
10.09.2026, 14:10
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Der Kopf hämmert, der Rücken schmerzt – doch welches Schmerzmittel darf man während der Schwangerschaft überhaupt nehmen? Paracetamol gilt für werdende Mütter seit Langem als eine der wichtigsten Optionen. Eine neue Studie aus Dänemark sorgt nun allerdings für Aufsehen: Forscher fanden bei Mädchen, deren Mütter das Mittel während der Schwangerschaft eingenommen hatten, Unterschiede bei Eierstöcken, Gebärmutter und bestimmten Fortpflanzungsmarkern. Ob das tatsächlich Folgen für die spätere Fruchtbarkeit hat, ist allerdings völlig offen.

Mehr als 300 Mädchen untersucht

Für die sogenannte COPANA-Studie untersuchte das Team um Margit Bistrup Fischer vom Rigshospitalet in Kopenhagen 685 Schwangere. Die Frauen machten alle zwei Wochen Angaben zu ihrer Paracetamol-Einnahme. Zusätzlich wurden Urinproben analysiert.

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Nach der Geburt untersuchten die Forscher 302 Töchter im Alter von durchschnittlich 106 Tagen. Dabei nahmen sie unter anderem Eierstöcke und Gebärmutter per Ultraschall unter die Lupe und bestimmten Fortpflanzungshormone. Das Ergebnis: Eine Paracetamol-Exposition im Mutterleib war mit mehreren Unterschieden in der Entwicklung des weiblichen Fortpflanzungssystems verbunden.

Zeitpunkt der Einnahme machte einen Unterschied

Besonders auffällig waren die Ergebnisse bei einer frühen Einnahme vor der 17. Schwangerschaftswoche. Im Vergleich zu nicht exponierten Mädchen war das Eierstockvolumen in den statistisch angepassten Analysen um rund 41 Prozent geringer, das Gebärmuttervolumen um etwa 13 Prozent.

Hatte die Exposition erst ab der 17. Schwangerschaftswoche begonnen, fanden die Wissenschaftler hingegen weniger Eibläschen in den Eierstöcken. Der Unterschied betrug rund 23 Prozent. In diesen Follikeln befinden sich die unreifen Eizellen. Bei einer kleinen Untergruppe von Mädchen, die ausschließlich in der frühen Schwangerschaft exponiert gewesen waren, fanden die Forscher zudem niedrigere Werte des Anti-Müller-Hormons (AMH). Dieses wird unter anderem als Marker für die ovarielle Reserve verwendet.

Bemerkenswert: Die Frauen hatten keine außergewöhnlich hohen Mengen des Schmerzmittels eingenommen. Die Studie untersuchte eine niedrige bis moderate Paracetamol-Exposition.

Unterschiede noch Jahre später

Um ihre Beobachtungen zusätzlich zu überprüfen, werteten die Wissenschaftler Daten einer unabhängigen Kohorte mit 1.210 Mädchen aus, die von der Kindheit bis ins Jugendalter begleitet worden waren. Auch dort zeigten sich Unterschiede: In der Pubertät war das Gebärmuttervolumen bei exponierten Mädchen geringer. Im Jugendalter fanden die Forscher außerdem ein geringeres Eierstockvolumen.

Für die Wissenschaftler ist das ein Hinweis darauf, dass einige der beobachteten Unterschiede möglicherweise nicht ausschließlich auf die ersten Lebensmonate beschränkt sind. Die Ergebnisse passen zudem zu früheren Tierversuchen, bei denen eine Paracetamol-Exposition während der Entwicklung Auswirkungen auf die weibliche Fortpflanzungsfunktion hatte.

Bedeutet das später weniger Fruchtbarkeit?

Genau das lässt sich bislang nicht sagen. Bei der Untersuchung handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Sie kann Zusammenhänge aufzeigen, aber nicht beweisen, dass Paracetamol die gefundenen Veränderungen verursacht hat. Vor allem weiß man bislang nicht, ob kleinere Eierstöcke oder weniger Follikel im Säuglingsalter später tatsächlich zu einer verminderten Fruchtbarkeit, weniger Schwangerschaften oder einer früheren Menopause führen.

Studienleiterin Fischer warnt deshalb ausdrücklich davor, die Ergebnisse auf einzelne Frauen oder Kinder zu übertragen. Unter den Töchtern von Frauen, die Paracetamol genommen hatten, gab es viele Mädchen, deren Eierstockwerte denen nicht exponierter Kinder ähnelten.

Experte fordert neue Bewertung

Aufhorchen lässt dennoch ein begleitender Kommentar von Reproduktionsmediziner Christian De Geyter vom Universitätsspital Basel. Er misst der Studie große Bedeutung bei und sieht angesichts der Ergebnisse Anlass, Empfehlungen zur Paracetamol-Anwendung während der Schwangerschaft neu zu bewerten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Schwangere das Medikament nun eigenmächtig meiden sollten. Auch unbehandelte Schmerzen oder Fieber können medizinisch relevant sein, und eine weitere große, 2026 veröffentlichte Kohortenstudie fand bei Paracetamol-Einnahme im ersten oder dritten Trimester keine erhöhte Rate schwerer angeborener Fehlbildungen oder der dort untersuchten ungünstigen Schwangerschafts- und Kinder-Outcomes.

red,10.09.2026, 14:10