Die Taliban gelten weltweit als Symbol für die Unterdrückung von Frauen und sexuellen Minderheiten. Umso größer ist jetzt die Verwunderung über neue Stellenausschreibungen afghanischer Vertretungen in Deutschland.
Denn in den Bewerbungsformularen der Konsulate können Interessierte bei der Geschlechtsangabe zwischen "männlich", "weiblich" und sogar "divers" wählen. Gesucht werden Praktikanten für die afghanischen Vertretungen in Berlin, Bonn und München.
Besonders pikant: In den Ausschreibungen werden Frauen ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert. Gesucht werden laut den Inseraten Studenten und Absolventen mit gültigem Aufenthaltsstatus in Deutschland.
Die Praktika selbst sind unbezahlt. Bewerber sollen Deutsch sowie Dari, Paschtu oder Englisch sprechen. Einsatzbereiche seien unter anderem IT, Öffentlichkeitsarbeit, Passdienste und Kommunikation.
Dass ausgerechnet Taliban-Vertreter mit einer geschlechteroffenen Ausschreibung um Nachwuchs werben, sorgt nun für Diskussionen. Denn in Afghanistan dürfen Frauen unter der Herrschaft der Islamisten weder studieren noch viele Berufe ausüben. Homosexuelle werden vom Regime massiv verfolgt und mit dem Tod bedroht.
Offiziell erkennt Deutschland die Taliban-Regierung weiterhin nicht an. Trotzdem arbeiten afghanische Konsulate hierzulande inzwischen unter Diplomaten weiter, die den Taliban nahestehen oder von ihnen eingesetzt wurden. Sowohl Österreich, Deutschland als auch die EU führen Gespräche mit Vertretern des Regimes über die Rückführung abgewiesener und/oder krimineller Flüchtlinge.
Beobachter gehen davon aus, dass die geschlechteroffene Formulierung vor allem mit den rechtlichen Vorgaben in Deutschland zusammenhängt. Dass auf den Taliban-Konsulaten in Deutschland bald Regenbogen-Flaggen wehen, darf wohl eher bezweifelt werden.