Mit dem neuen Schuljahr startet für viele Familien nicht nur der Unterricht, sondern auch der große Organisationsmarathon. Hausübungen, Elternabende, Arzttermine, Fußballtraining, Musikschule, Geburtstage und die beruflichen Verpflichtungen der Eltern müssen unter einen Hut gebracht werden. Dazwischen bleibt kaum noch Zeit für Erholung und die Familie selbst.
Kein Wunder, dass viele Eltern dabei an ihre Grenzen stoßen. Doch das muss nicht sein, weiß Familienberaterin Claudia Toth: "Struktur kann dabei enorm entlasten – wenn sie zum Alltag passt. Denn ein durchgetaktetes Familienleben kann schnell selbst zum Stressfaktor werden."
Gegenüber "Heute" hat die Pädagogin und Familienexpertin sechs Punkte verraten, die den Druck aus dem Familienalltag nehmen und für Ruhe im Haus sorgen.
Der erste Schritt: ein Familienkalender. Ob klassisch gut sichtbar an der Wand oder eine digitale Lösung - wichtig ist, dass alle relevanten Termine an einem Ort gesammelt werden. Zusätzlich empfiehlt Toth einen kurzen Wochencheck, etwa am Sonntag: Was steht an? Wo wird es eng? Wer übernimmt welche Aufgabe?
"Struktur beginnt dort, wo nicht mehr jeder versucht, alle Termine im Kopf zu behalten. Ein gemeinsamer Überblick nimmt enorm viel Druck aus dem Familienalltag."
Nicht selten bleibt die gesamte Familienorganisation an einer Person hängen. Elternabende im Blick behalten, Arzttermine vereinbaren, an Sportsachen denken oder Geburtstagsgeschenke besorgen. Diese unsichtbare Denkarbeit kann zum Mental Load werden. Toths Rat: Nicht nur einzelne Aufgaben sollten aufgeteilt werden – auch die Verantwortung dafür. Eltern können klare Bereiche vereinbaren: Wer kümmert sich um Schule? Wer um Freizeitaktivitäten? Wer um Arzttermine oder Geburtstage?
"Aufgaben wirklich zu teilen bedeutet nicht nur, sie auszuführen. Es bedeutet auch, dass nicht einer ständig daran denken und den anderen erinnern muss."
Nach der Schule geht es für viele Kinder direkt zum Sport, danach zur Musikstunde und am Wochenende zum nächsten Termin. Doch mehr Aktivitäten bedeuten nicht automatisch mehr Förderung. Wie viele Aktivitäten gut sind, hängt stark vom Kind und vom Familienalltag ab. Gerade nach einem langen Tag in der Schule brauchen Kinder oft zuerst Erholung.
„Kinder brauchen auch Zeiten, in denen sie einfach spielen, abschalten oder einmal nichts leisten müssen.“
"Ein voller Terminkalender ist nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass ein Kind gut gefördert wird. Kinder brauchen auch Zeiten, in denen sie einfach spielen, abschalten oder einmal nichts leisten müssen."
Wiederkehrende Abläufe am Morgen, nach der Schule und am Abend helfen, Diskussionen und Stress zu reduzieren. So kann die Schultasche bereits am Vorabend gepackt und Kleidung schon bereitgelegt werden.
"Je weniger Dinge im Alltag täglich neu verhandelt werden müssen, desto mehr Ruhe entsteht. Routinen geben Kindern Orientierung und entlasten gleichzeitig die Eltern."
Eltern müssen nicht dauerhaft die gesamte Organisation übernehmen. Kinder können Schritt für Schritt lernen, ihren Alltag selbst zu organisieren. Je nach Alter können sie etwa selbst auf den Stundenplan schauen, Turnsachen herrichten oder daran denken, bestimmte Materialien einzupacken.
"Kinder lernen Organisation nicht dadurch, dass wir ihnen alles abnehmen, sondern indem wir ihnen nach und nach Verantwortung zutrauen."
Und dann wäre da noch der Mut, nicht jeden Termin möglich zu machen. Eltern stehen oft unter dem Druck, überall dabei sein und ihren Kindern alles ermöglichen zu müssen. Doch muss wirklich jeder Termin stattfinden? Muss ein Elternteil tatsächlich bei jedem Anlass persönlich erscheinen?
Toth plädiert dafür, regelmäßig zu hinterfragen: Was ist wirklich wichtig? Was tut der Familie gut? Und was darf auch einmal ausfallen? "Ein Nein darf sein. Familien müssen nicht jeden Termin unterbringen und Eltern müssen nicht überall dabei sein. Manchmal bringt ein bewusstes Nein mehr Entlastung als noch bessere Planung."
Am Ende geht es laut Toth nicht darum, die Familie noch effizienter durchzutakten. Struktur soll vor allem eines schaffen: mehr Ruhe, Orientierung und gemeinsame Zeit.