"Fünf Fälle in vier Minuten"

Urlaub als Vorwand: 92 Verschleppungen in sechs Monaten

Die Zahl der Verschleppungen aus Österreich steigt deutlich. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits 92 Fälle gemeldet.
Newsdesk Heute
08.09.2026, 13:51
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Immer mehr Menschen werden offenbar aus Österreich ins Ausland verschleppt. Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits 92 Fälle gemeldet – in den gesamten Jahren 2024 und 2025 waren es zusammen 160.

Das geht aus einer APA-Anfrage beim Nationalen Kompetenzzentrum gegen Verschleppung und Familiengewalt hervor, das beim Verein PeriFeri angesiedelt ist. Dessen Leiterin Meltem Weiland spricht angesichts der aktuellen Entwicklung von einem "besorgniserregenden Anstieg."

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Kinder unter Urlaubs-Vorwand ins Ausland gebracht

Betroffen sind laut Weiland unter anderem Kinder – sowohl Mädchen als auch Burschen. Manche Eltern würden sie als "Disziplinierungsmaßnahme" in ihre Herkunftsländer bringen. Häufig werde den Kindern zunächst vorgespielt, dass es lediglich in den Urlaub gehe.

"Die Eltern lassen sich hier gar nichts anmerken", betont Weiland. Im Ausland sollen die Kinder in manchen Fällen auch verheiratet werden.

Die Zahl der Meldungen nehme derzeit rasant zu. Wie groß der Andrang mittlerweile ist, zeigt laut Weiland ein Vorfall vor wenigen Wochen: Innerhalb kürzester Zeit seien "fünf Fälle in vier Minuten" gemeldet worden. "Es ist so viel, dass wir als Team von drei Personen manchmal ziemlich überfordert sind."

Auch Frauen werden zurückgelassen

Nicht nur Kinder sind betroffen. Auch Frauen würden unter falschen Voraussetzungen ins Ausland gebracht und anschließend von ihren Ehemännern dort zurückgelassen. "Als Bestrafung wegen 'ehelicher Probleme' oder weil sie die Scheidung eingereicht haben."

Häufig würden die Frauen bei ihren eigenen Eltern zurückbleiben. Diese stellten sich teilweise auf die Seite des Ehemannes. "Weil eine Scheidung oft auch für die Eltern eine Schande ist."

Bereits 24 Menschen zurückgeholt

Verschleppungen gebe es laut Weiland in zahlreiche Staaten. "Eigentlich gibt es Verschleppungen in alle Länder", derzeit besonders häufig nach Russland und Syrien. Weitere Fälle führen demnach unter anderem in den Irak, nach Pakistan und Bangladesch. Auch Länder innerhalb der EU und auf dem Balkan seien betroffen.

Das Team von PeriFeri versucht gemeinsam mit Behörden, dem Außenministerium und Botschaften, die Betroffenen wieder nach Österreich zu bringen. Soweit es die Situation erlaubt, werde währenddessen laufend Kontakt mit den verschleppten Personen gehalten. "Jeder Fall ist eine eigene Geschichte", betont Weiland.

Allein 2026 gelangen bisher 24 Rückholungen. Solche Aktionen müssen häufig über Monate vorbereitet werden. In den Jahren 2024 und 2025 wurden insgesamt 70 Menschen zurück nach Österreich gebracht.

Forderung nach mehr rechtlichen Möglichkeiten

Weiland fordert nun auch von der Politik bessere rechtliche Möglichkeiten für Betroffene. Zwangsheiraten sind zwar in Österreich verboten, im Ausland zurückgelassene Frauen hätten jedoch kaum eine rechtliche Handhabe gegen ihre Ehemänner.

Gleichzeitig kämpft die spezialisierte Anlaufstelle mit finanziellen Problemen. PeriFeri versucht derzeit, über ein Crowdfunding-Projekt zusätzliches Geld aufzubringen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 08.09.2026, 13:51
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