Anlässlich des bevorstehenden Internationalen Frauentags (8. März) luden Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Doris Schmidauer am Dienstag zu einer Veranstaltung unter dem Titel "Lauter! Frauen!" in die Hofburg.
Mit eindringlichen Worten rief VdB zu mehr Gleichberechtigung auf: "Werden wir laut, wenn wir Ungerechtigkeiten erleben. Auch, wenn es um Gleichberechtigung geht“, sagte das Staatsoberhaupt vor zahlreichen (vorwiegend weiblichen) Gästen.
Zu Beginn verwies Van der Bellen auf die angespannte Weltlage. Viele würden die Nachrichten "mit gemischten Gefühlen" verfolgen. Mit Blick auf den Iran stellte er klar: "Die Menschen im Iran müssen frei und selbstbestimmt leben können. Ohne Unterdrückung, ohne Gewalt." Viele hofften, "dass dieses brutale Regime endlich verschwindet. Egal wie. Aber es darf uns niemals egal sein, wie."
Das Motto des Abends – Lauter! Frauen! – meine, "dass wir alle, auch die Männer, lauter sein müssen, um etwas zu bewegen". Scharf kritisierte der Präsident aktuelle Entwicklungen: So werde Elon Musks KI "GROK millionenfach benutzt, um existierende Fotos von Frauen und Mädchen in Bikinifotos umzuwandeln".
Zudem würden Gleichstellungsprogramme gestrichen, Frauenrechte eingeschränkt, liberale Demokratien gerieten ins Wanken. "Wir sehen hasserfüllte Kommentare, wütende Emojis, verdrehte Wahrheiten", warnte Van der Bellen mit Blick auf die Social-Media-Welt.
Doch wo anfangen? Der Bundespräsident zitierte Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel: "Ach was, ich beginne bei mir." Für Männer bedeute das, "Verantwortung übernehmen". Konkret: "Wenn eine Frau in der Straßenbahn bedrängt wird, wenn in der Kantine ein sexistischer Witz gemacht wird, wenn KIs Vorurteile und Stereotype ausspucken, einmischen, korrigieren."
„Überall, wo wir Frauen ausklammern, verlieren wir.“Alexander Van der BellenBundespräsident
Sein Appell an die Männer: "Verstecken wir uns nicht hinter dem Satz 'Not all men'. Stärken wir stattdessen unseren Kolleginnen den Rücken. Holen wir Frauen auf die Podien und in die Gremien dieser Welt. Denn: "Überall, wo wir Frauen ausklammern, verlieren wir. Wir verlieren 50 Prozent unserer Leistung, 50 Prozent unserer Kraft, unserer Ideen."
Van der Bellens Ehefrau Doris Schmidauer hielt in ihren Begrüßungsworten unter anderem ein Plädoyer für mehr Lohntransparenz. Mehr Gleichberechtigung brauche es auch in den Chefetagen, verwies sie auf Statistiken, die nach wie vor ein starkes Ungleichgewicht in diesem Bereich zeigen.
Die "Keynote" hielt die iranisch-deutsche Schriftstellerin Nava Ebrahimi, Bachmann-Preisträgerin aus 2021. Sie äußerte auch Sorge angesichts der Geschehnisse im Iran. Als vorbildhafte Frauen nannte sie auch all jene, die im Iran auf die Straße gehen.
Unter den Gästen waren laut Präsidentschaftskanzlei auch zahlreiche aktive und ehemalige Politikerinnen, darunter etwa Justizministerin Anna Sporrer, Sozialministerin Korinna Schumann, Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (alle SPÖ), Grünen-Chefin Leonore Gewessler, Rechnungshof-Präsidentin Margit Kraker, die Ex-Ministerinnen Ursula Plassnik und Maria Rauch-Kallat, die ehemalige steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (alle ÖVP).