Herbert Kickl im TV

"Völkerwanderer", "Talfahrt": FPÖ-Chef teilt im ORF aus

Nach Serien-Absagen für den ORF erschien FPÖ-Chef Herbert Kickl am Dienstagabend im "ZIB2"-Studio – es folgte ein wilder, politischer Rundumschlag.
Newsdesk Heute
03.03.2026, 22:19
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Erstmals seit dem viel beachteten Sommergespräch am 8. September 2025 hat sich FPÖ-Chef Herbert Kickl wieder im ORF-Studio blicken lassen. Anlass ist ein Studiogespräch bei Margit Laufer in der "ZiB 2" – exakt ein Jahr nach Angelobung der aktuellen Bundesregierung. Lange hatte sich der Freiheitliche rargemacht, die traditionelle Jahresauftakt-Interviewserie mit den Klubobleuten ließ er aus. ORF-Star Armin Wolf übte daraufhin öffentlich Kritik und verwies darauf, dass Kickl in den vergangenen Jahren dutzende Einladungen ausgeschlagen habe.

Statt des Parteichefs nahm damals Generalsekretär Christian Hafenecker im Studio Platz. Während das Verhältnis zum ORF frostig bleibt, könnte politisch die Stimmung für Kickl derzeit kaum besser sein. Ein Jahr nach Start der Dreier-Koalition führt die FPÖ im aktuellen APA-Wahltrend klar das Feld an und legt im Vergleich zur Nationalratswahl deutlich zu, während ÖVP, SPÖ und NEOS Federn lassen müssen. Mit diesem Rückenwind nutzte Kickl seinen Auftritt in der "ZiB 2" für eine scharfe Abrechnung mit der von ihm so bezeichneten "Verlierer-Ampel".

"Millionen Behandlungen von Völkerwanderern"

Wie sehr schmerze es, dass er mit großem Vorsprung in den Umfragen nicht als Bundeskanzler im Interview sitze, sondern auf der Opposiztionsbank im Nationalrat? Demokratie funktioniere nur, "wenn es auch eine Opposition gibt", so der FPÖ-Chef, gerade in dieser Rolle habe man "sehr viel bewegt". So viel, dass sich die Regierung regelrecht "belästigt" fühle und "in einem Anflug von Überheblichkeit beginnt, sich selbst mit dem Staat gleichzusetzen", sagte Kickl. Kontrollmechanismen würden als Angriff auf den Staat ausgelegt, hieß es.

Das zeige laut Kickl aber nur, "dass wir hier wunde Punkte treffen", bei "Steuergeldverschwendung für NGOs" oder dass man in den vergangenen zehn Jahren "22 Millionen Behandlungen von Völkerwanderern" bis hin zu Schönheitsoperationen bezahlt habe. Das werfe laut dem FPÖ-Chef wiederum die Frage auf, "was diese Regierung machen würde, wenn sie nicht die FPÖ im Nacken hätte". ÖVP-Kanzler Christian Stocker sei der dritte "nicht gewählte" Bundeskanzler in Serie, attestierte Kickl, und er übernehme sogar FPÖ-Inhalte.

"Erkannt, dass das der ÖVP nichts bedeutet"

"So kann es nicht weitergehen", so der FPÖ-Chef. Im Rückblick auf die Nationalratswahl erklärte Kickl, der "Wählerwille war ganz klar, eine große Veränderung in Österreich herbeizuführen, ich bezeichne das gerne als Systemwechsel". Mit dem Angebot, das umzusetzen, sei die FPÖ Erster geworden, die Zustimmung sei sogar noch gestiegen, als man nicht mit den Freiheitlichen verhandeln wollte. Kickl habe versucht, "diesem Willen" in Verhandlungen "zum Durchbruch zu verhelfen", habe aber entdeckt, "dass das der ÖVP nichts bedeutet".

"Wenn ich keinen Partner habe, der kein Verständnis dafür aufbringt, sondern wenn jemand glaubt, ich sitz da drinnen und mach weiter wie bisher, ist das nicht der Anspruch, den ich daran stelle, Bundeskanzler zu sein", so Kickl. Es brauche die Einsicht, dass es Veränderung brauche, "wenn das mit der ÖVP nicht möglich ist, dann bin ich den Wählern im Wort", hieß es. Nachsatz: "Dann wird das beim nächsten Mal passieren." Die Folge sei, dass "das Land eine Talfahrt hinnimmt, wie wir es jetzt erleben müssen", so Kickl.

"Es geht sich nicht aus und es zahlt sich nicht aus"

Kickl sei "unter dem Radar der Öffentlichkeit" im ganzen Land unterwegs gewesen und der Tenor der Menschen sei: "Es geht sich nicht aus und es zahlt sich nicht aus", wenn sie sich ihren Lohnzettel ansehen würden. "Ich geh ja selber einkaufen, und das nicht im Meinl am Graben wie vielleicht andere", so Kickl. Für immer mehr Geld sei immer weniger im Wagerl drinnen. Das sei das Empfinden der Menschen, während die Regierung mit "ihren Experten" erklären würde, es gebe einen Aufschwung.

Dass den Aufschwung objektive Wirtschaftszahlen belegen würden, tat Kickl mit dem "subjektiven Empfinden der Menschen" ab, das könne man "nicht mit irgendeiner zusammenfrisierten Statistik" revidieren. "Das, was es in diesem Land braucht, ist eine Durchforstung aller Ausgaben, die gemacht werden, auf ihre Sinnhaftigkeit", so Kickl. Als erste Maßnahme würde der FPÖ-Chef Zahlungen an die Ukraine einstellen und jene Gelder zurückfordern, bei denen die Ukraine nicht belegen könne, wofür sie verwendet wurden.

Laut Kickl nur zwei Parteien bei der nächsten Wahl

Außerdem: Förderungen für NGOs streichen, "All-inclusive"-Leistungen im Asylbereich einstellen und Asylwerber auf eine medizinische Basisversorgung zurückstufen. Das alles erspare Milliarden, so Kickl, zudem müsse das Förderwesen "mit dem eisernen Besen" durchforstet werden. "Es geht um Förderungen, die am Bedarf vorbei irgendwelche Projekte finanzieren, von denen die Mehrheit der Österreicher nichts hat", Projekte mit "ideologischem Hintergrund, klimareligiösem Hintergrund", so der FPÖ-Chef.

Und mit seinen teils unter der Gürtellinie ansetzenden Angriffen auf die Bundesregierung, wer solle Kickl da nach der nächsten Wahl zum Kanzler machen? "Die Bevölkerung, Frau Laufer, so einfach ist das." Seit der Wahl habe man "noch ordentlich zugelegt", sowohl die Partei, als auch seine Persönlichkeitswerte, so der FPÖ-Chef. Und: Man habe das volle Potenzial noch nicht ausgeschöpft, denn immer mehr Menschen werde klar, dass es bei der nächsten Wahl nur zwei Parteien gebe – auf der einen Seite "die Einheitspartei", auf der anderen die FPÖ.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 04.03.2026, 07:18, 03.03.2026, 22:19
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