Vielleicht fragst du dich, warum dein Vierbeiner nur auf manche Menschen grantig reagiert, doch um das zu verstehen, muss man wissen, warum Hunde überhaupt bellen. Der Verhaltensexperte und Hundetrainer Cyrill Matter von 20 Minuten hat hier einige plausible Antworten parat.
„Bellen ist in erster Linie ein Kommunikationsmittel, um Informationen an die Umwelt weiterzugeben. Gleichzeitig ist es aber auch ein Werkzeug, um den inneren Zustand wie Erregung, Frust oder Unsicherheit auszudrücken.“
Für uns Menschen ist ständiges Gebell oft nervig, für den Hund ist es aber eine Art, mit Stress umzugehen. "Gerät ein Hund durch zu viel Frust, Stress oder Erregung an seine Toleranzgrenze, beginnt er zu bellen", so der Experte. Im Alltag kann sich dies dadurch äußern, dass der Hund etwas vermeiden möchte, oder aber auch grantig ist, weil er etwas nicht darf oder bekommt.
Beim Bellen schüttet der Hund Adrenalin und Dopamin aus, manchmal sinkt dadurch sogar der Cortisolspiegel. "Bellen kann für Hunde rasch zur Gewohnheit werden, weil es für sie oft funktioniert. Wenn der Reiz verschwindet, wenn eine Tür aufgeht oder wenn jemand reagiert, lernt der Hund: 'Mein Bellen hat Wirkung'", erklärt Matter.
Viele Probleme entstehen, weil Menschen das Bellen ungewollt belohnen, etwa durch Interaktion oder Nachgeben - immerhin möchten wir ja, dass der Hund damit aufhört und schenken ihm unbewusst Aufmerksamkeit. Erst wenn man das Bellen gekonnt ignoriert und jedes Mal eine ruhige Alternative bestätigt, wird das "Schreien" weniger reizvoll für den Hund.
Bellen ist nicht gleich bellen, denn Hunde bellen aus ganz unterschiedlichen Gründen: Es gibt das Alarmbellen ("Da ist etwas"), das territoriale Bellen an der Wohnungstür oder im Garten, Frustbellen an der Leine, sowie Bellen bei Einsamkeit oder Stress, wenn sie allein bleiben müssen.
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Und dann gibt es noch das personenbezogene Bellen: "Hunde reagieren nicht zufällig auf gewisse Menschen anders, sondern filtern sehr genau bestimmte Merkmale wie Körpergröße, Gang, Stimme, Geruch, Kleidung, direkte Annäherung oder Blickkontakt", erklärt Matter.
Oft reicht schon eine einzige schlechte Erfahrung, damit der Hund diese Merkmale abspeichert und später auf ähnliche Personen mit Bellen reagiert. "Wurde ein Hund etwa einmal mit einem Stock geschlagen, ist das Risiko groß, dass er später Menschen mit Gehhilfen oder Krücken anbellt", schildert Matter.
Viele Hunde sprechen besonders auf Menschen an, die unsicher oder angespannt wirken. Warum das so ist, erklärt Matter: "Hunde reagieren nicht auf Ängstlichkeit an sich, sondern auf Unvorhersehbarkeit."
Das zeigt sich zum Beispiel in einer geänderten Körperhaltung, einem zögernden Gang oder widersprüchlichem Blickverhalten. Zusätzlich können Hunde durch ihren feinen Geruchssinn Stresssignale wahrnehmen. "Treffen unklare Körpersprache und Stresssignale zusammen, wirkt das für den Hund widersprüchlich und damit potenziell bedrohlich – was Bellen auslösen kann, besonders bei sensiblen oder bereits gestressten Hunden", sagt Matter.