Jahrzehntelang galt Dänemark als eine der größten Pelznationen der Welt. Millionen Nerze verbrachten ihr kurzes Leben in winzigen Drahtkäfigen, bevor sie für die Modeindustrie getötet wurden. Doch damit ist nun endgültig Schluss: Am Freitag (23. Oktober) verkündete die dänische Regierung, dass sie keine Ausnahmegenehmigung vom kommenden EU-Verbot beantragen wird. Die sieben verbliebenen Nerzfarmen des Landes müssen spätestens am 7. August 2029 schließen. Das EU-Verbot selbst tritt bereits im August 2027 in Kraft.
Für Tierschützer ist die Entscheidung ein gewaltiger Erfolg. Nerze sind neugierige, bewegungsfreudige Raubtiere, die in freier Wildbahn große Reviere durchstreifen, schwimmen und jagen. In Pelzfarmen hingegen verbringen sie ihr Leben auf engstem Raum, ohne ihre natürlichen Bedürfnisse ausreichend ausleben zu können. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stellte 2025 fest, dass die üblichen Käfighaltungssysteme den Bedürfnissen der Tiere nicht ausreichend gerecht werden. Auch die dänische Tierschutzorganisation "Dyrenes Beskyttelse" jubelt: Direktorin Britta Riis spricht von einem riesigen Sieg für die Nerze.
Nerze gehören zur Familie der Marder und sind ausgezeichnete Schwimmer. Die neugierigen Raubtiere leben bevorzugt an Flüssen, Seen und Feuchtgebieten, wo sie Fische, Frösche, Krebse und kleine Säugetiere jagen. Besonders tragisch: In Pelzfarmen werden vor allem Amerikanische Nerze gehalten, die in der Natur große Streifgebiete nutzen und täglich weite Strecken zurücklegen können - Sie werden also völlig ihrer natürlicher Bedürfnisse beraubt.
Bereits 2020 geriet die dänische Nerzindustrie international in die Schlagzeilen. Aus Angst vor mutierten Coronaviren ordnete die damalige Regierung die Tötung von rund 15 Millionen Nerzen an. Ein vorübergehendes Zuchtverbot folgte, wurde Anfang 2023 jedoch wieder aufgehoben. Einige Betriebe nahmen daraufhin ihre Produktion erneut auf. Nun besiegelt eine EU-Entscheidung das endgültige Aus: Der Amerikanische Nerz wurde 2025 auf die europäische Liste invasiver Arten gesetzt, da entkommene Tiere heimische Wildtierbestände gefährden können.
Während Dänemark erst jetzt das endgültige Aus seiner Nerzindustrie besiegelt, ist Österreich bereits seit vielen Jahren einen Schritt weiter: Die Haltung von Tieren zur Pelzgewinnung ist hierzulande verboten. Auch zahlreiche andere europäische Länder haben Pelzfarmen inzwischen abgeschafft. Für Dänemarks Natur- und Tierschutzminister Christian Rabjerg Madsen steht jedenfalls fest, dass eine Branche nicht allein deshalb weiter bestehen sollte, weil sie eine lange Tradition hat. Entscheidend sei auch, ob sie für die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Tiere sinnvoll ist. Für die verbliebenen Nerzfarmen bedeutet das jetzt das endgültige Ende.