Ein Leben hinter Gittern, kaum Bewegungsfreiheit und kein Platz, um natürliche Verhaltensweisen auszuleben: Für mehr als 140 Millionen Legehennen gehört die Käfighaltung in der Europäischen Union noch immer zum Alltag. Dabei ist der Wunsch nach Veränderung unüberhörbar.
Laut einer neuen Umfrage des Marktforschungsinstituts Savanta fordern unglaubliche 85 Prozent der Österreicher ein EU-weites Ende der Käfighaltung bis spätestens 2035. Doch während die Bevölkerung auf rasche Verbesserungen drängt, möchte die Agrarindustrie die Übergangsfrist bis 2045 ausdehnen.
Für die Studie wurden 25.000 Menschen in 25 EU-Mitgliedstaaten befragt. Das Ergebnis ist deutlich: Drei Viertel der Befragten halten eine Übergangsfrist bis 2035 für ausreichend. In Österreich sind sogar 65 Prozent der Meinung, dass die Käfige längst Geschichte sein sollten. Eine Frist bis 2045 akzeptieren EU-weit hingegen nur sieben Prozent.
19 weitere Jahre Käfighaltung bedeuten auch bis zu 19 Generationen von Legehennen, die ihr kurzes Leben hinter Gittern verbringen müssen – nur weil sich die Industrie mehr Zeit lassen will.
Besonders brisant: Bereits 2021 hatte die EU-Kommission nach der erfolgreichen Bürgerinitiative "End the Cage Age" mit 1,4 Millionen Unterstützern angekündigt, die Käfighaltung beenden zu wollen. Fünf Jahre später warten die Tiere noch immer auf eine verbindliche gesetzliche Regelung.
Obwohl Österreich die Käfighaltung von Legehennen bereits verboten hat, ist das Problem hierzulande keineswegs verschwunden. Rund 250 Millionen Eier werden laut dem VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN (VGT) jährlich importiert. Darunter können sich auch Eier aus Käfighaltung befinden, die etwa in verarbeiteten Lebensmitteln oder in der Gastronomie Verwendung finden.
Für zusätzliche Kritik sorgt der Einfluss der Agrarlobby auf die europäische Tierschutzpolitik. Laut einer Auswertung der Organisation Animal Equality gab es innerhalb der ersten 15 Monate der Amtszeit der zuständigen EU-Kommissare mindestens 46 Treffen mit Vertretern der Fleisch-, Geflügel- und Milchindustrie. Tierschutzorganisationen wurden demnach lediglich siebenmal angehört.
„Warum sollten die Hennen noch länger in Käfigen leiden und den Preis für die Versäumnisse der Industrie bezahlen, die längst handeln hätte können?“Denise Kubala VGT-Campaignerin
Nach Angaben des Vereins zeigt sogar eine von der Agrarorganisation COPA-COGECA finanzierte Studie, dass ein rascher Ausstieg aus der Käfighaltung wirtschaftlich möglich wäre. Dennoch fordert der Verband eine Übergangsfrist bis 2045.
Für die Tierschützer ist klar: Die EU-Kommission muss ihren Ankündigungen endlich Taten folgen lassen. Denn während über Fristen, Kosten und politische Kompromisse diskutiert wird, verbringen Millionen Hennen weiterhin ihr Leben im Käfig. Und für jedes einzelne dieser Tiere ist ein weiteres Jahr eine verdammt lange Zeit.