Während Afghanistan-Einsatz

Zivilisten ermordet? Anklage gegen Ex-Elitesoldat

Australiens wohl bekanntester Veteran ist festgenommen worden. Dem Ex-Elitesoldaten werden mehrere Kriegsverbrechen in Afghanistan vorgeworfen.
Newsdesk Heute
07.04.2026, 16:16
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Ein einst gefeierter Kriegsheld steht nun im Zentrum schwerer Vorwürfe: In Australien ist ein hochdekorierter Ex-Soldat festgenommen worden.

Der 47-Jährige wurde am Dienstag an einem Flughafen in Sydney festgenommen. Laut Polizei steht er im Verdacht, während seines Afghanistan-Einsatzes zwischen 2009 und 2012 an mehreren Tötungen beteiligt gewesen zu sein. Von der Nachrichtenagentur AFP eingesehenen Gerichtsdokumenten zufolge werden dem früheren Soldaten fünf Fälle zur Last gelegt.

Lebenslange Haft droht

Die australische Polizeipräsidentin Krissy Barrett erklärte, die Opfer hätten "zum Zeitpunkt ihrer mutmaßlichen Ermordung in Afghanistan nicht an Kampfhandlungen" teilgenommen. Sie seien "mutmaßlich von dem Beschuldigten erschossen worden oder von ihm unterstellten Soldaten, die auf seinen Befehl hin gehandelt haben".

Die Vorwürfe umfassen laut Gerichtsakten eine "tatsächliche Straftat", eine "gemeinsame Begehung einer Straftat" sowie drei Fälle der Beihilfe zum Mord. Im Falle einer Verurteilung droht dem 47-Jährigen lebenslange Haft.

Treffen mit Queen Elizabeth

Der 47-Jährige galt lange als Nationalheld. Als Mitglied des Special Air Service Regiment wurde er 2011 mit dem Victoria-Kreuz ausgezeichnet – der höchsten militärischen Ehrung Australiens. Er traf Queen Elizabeth II., sein Porträt wurde im nationalen Kriegsmuseum gezeigt, zudem wurde er sogar zum "Vater des Jahres" gekürt.

Queen Elizabeth II. begrüßt den australischen SAS-Unteroffizier, der kürzlich mit dem australischen Victoria-Kreuz ausgezeichnet wurde, während einer Audienz im Buckingham-Palast am 15. November 2011.
Reuters (Archivbild)

Erste Vorwürfe bereits 2018

Doch bereits 2018 geriet sein Ruf ins Wanken. Medienberichte brachten ihn damals mit der Tötung unbewaffneter afghanischer Gefangener in Verbindung. Laut "The Age" und "The Sydney Morning Herald" soll er unter anderem einen unbewaffneten Zivilisten von einer Klippe gestoßen und anschließend die Erschießung angeordnet haben. Auch die Beteiligung an der Tötung eines Mannes mit einer Prothese wurde berichtet – diese soll später als Trinkgefäß verwendet worden sein.

Der 47-Jährige wies die Vorwürfe stets zurück und ging juristisch gegen die Berichte vor. Doch 2023 erlitt er eine Niederlage, als ein Richter zahlreiche Anschuldigungen als "im Wesentlichen wahr" einstufte.

39 Menschen "rechtswidrig getötet"

Australien hatte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 rund 39.000 Soldaten nach Afghanistan entsandt. In den Jahren danach mehrten sich Berichte über Fehlverhalten, insbesondere bei Spezialeinheiten. Ein Militärbericht aus dem Jahr 2020 kam zu dem Schluss, dass 39 afghanische Zivilisten und Gefangene "rechtswidrig getötet" wurden. Dabei wurden unter anderem Vorwürfe von außergerichtlichen Hinrichtungen, Folter und sogar Wettbewerben zur "Zahl der getöteten Gegner" dokumentiert.

Die Aufarbeitung solcher Fälle gestaltet sich schwierig – unter anderem wegen fehlender Zeugen und der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021.

{title && {title} } red, {title && {title} } 07.04.2026, 16:16
Jetzt E-Paper lesen