Tierisch dummer Trend

Zuerst Kaninchen - Jetzt leiden Meerschweinchen

Vor zwei Jahren waren Kaninchen die "Anfänger-Haustiere", doch mittlerweile werden sie von den Meerschweinchen abgelöst. Beides falsch und traurig.
05.02.2026, 18:13
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Na klar, sollten Kinder den liebevollen Umgang mit Tieren lernen und auch damit aufwachsen dürfen. Allerdings sind Hamster, Kaninchen und Meerschweinchen alles andere als "Kuscheltierchen", die den Grundstein für die Haustierhaltung legen. Noch immer werden viel zu kleine Käfige angeboten und die wirklich artgerechten Haltungsbedingungen unterschätzt und kaum erfüllt. Noch vor etwa zwei Jahren waren vor allem Kaninchen die "Lebend-Spielzeuge" des Kinderzimmers, doch mittlerweile stehen Meerschweinchen im Trend.

2025 - Meerschweinchen Boom im Tierschutz

Vor allem der Assisi-Hof des Österreichischen Tierschutzvereins verzeichnet einen erheblichen Anstieg bei den Meerschweinchen-Abgaben. Im Jahr 2025 wurden fast doppelt so viele "Quietschis" aufgenommen, als noch im Vorjahr.

„Meerschweinchen sind keine Anfängerhaustiere und falsche Erwartungen und Haltung führen direkt zu Tierleid. Viele unterschätzen den täglichen Zeitaufwand von mindestens einer Stunde sowie die Anforderungen an Platz, Ernährung und Sozialkontakt.“
Alfred KoflerTierpflege-Leiter, Assisi-Hof Stockerau
Meerschweinchen sind keinesfalls "Anfängerhaustiere".
©ÖTV

Kein Gassi gehen und keine Erziehung

Bei Hamster, Kaninchen und Meerschweinchen liegt es auf der Hand, weshalb man die kleinen Nager für das Kind als "Einstiegsmodell" auswählt. Was nicht ausgeführt, erzogen und trainiert werden muss, kann schließlich nicht überfordern. Dieser Trugschluss kostet sehr vielen Haustieren ein artgerechtes und abenteuerliches Leben und ist wirklich unfair, denn ein kleiner Käfig und gelegentliches Füttern reichen bei weitem nicht aus.

Am Assisi-Hof in Stockerau leben derzeit dutzende Meerschweinchen in großzügigen, artgerechten Außen- und Innengehegen. Er ist die wichtigste Auffangstation für Meerschweinchen in Niederösterreich. 

Meerschweinchen benötigen viel Auslauf, eine strukturierte Umgebung, Artgenossen und eine ballaststoffreiche Ernährung. "Das fehlende Wissen über ihre Bedürfnisse führt dazu, dass immer mehr Tiere bei uns abgegeben werden – während geeignete Notquartiere für Meerschweinchen rar sind", weiß Alfred Kofler.

Deshalb landen Meerschweinchen im Tierschutz

Besonders häufige Abgabegründe sind Platzmangel, Zeitdruck und gesundheitliche Probleme infolge falscher Ernährung. Wie dramatisch die Folgen sein können, zeigt der Fall des Meerschweinchens "Robert", das krank und in einem Plastiksackerl an einer Straßenkreuzung ausgesetzt wurde.

Der kleine "Robert" wurde in einem Plastiksackerl an einer Straßenkreuzung gefunden.
©ÖTV

Tierexperte Alfred Kofler: "Meerschweinchen sind Fluchttiere und keine Kuscheltiere". Häufiges Hochheben bedeutet Stress – ein Umstand, der besonders in Familien mit Kindern oft unterschätzt wird. "Wenn man sie hochheben muss, sollte man behutsam vorgehen: Eine Hand stützt die Brust, die andere das Hinterteil".

Einsamkeit

Ebenso wichtig ist die Gruppenhaltung: Meerschweinchen dürfen niemals allein gehalten werden. Ideal ist eine Gruppe von mindestens vier Tieren mit einem kastrierten Männchen und mehreren Weibchen ähnlichen Alters.

Meerschweinchen benötigen ständig frisches Heu, da ihre Zähne lebenslang wachsen. Zusätzlich brauchen sie Vitamin-C-reiches Gemüse wie Paprika, Brokkoli oder Petersilie, da sie Vitamin C nicht selbst bilden können. Futter mit Getreide führt dagegen rasch zu Übergewicht und gesundheitlichen Problemen.

Gesund und glücklich!

Mindestens vier Tiere, ideal ein kastriertes Männchen mit mehreren Weibchen

Platz: Mindestens 10 m² Gehege, Rennstrecke ab 2 Metern

Freilauf: Täglich 1–2 Stunden, bei kleinen Gehegen bis zu 3 Stunden

Einrichtung: Häuschen, Tunnel, Rampen,

Verstecke Ernährung: Heu ad libitum, frisches Gemüse, Vitamin C

Beschäftigung: Such- und Futterspiele

Falls auch du Interesse an den quiekenden Nagern haben solltest, schau doch im Tierheim deiner Wahl vorbei, denn meistens warten dort entzückende Tiere auf ihre zweite Chance.

{title && {title} } tine,red, {title && {title} } 05.02.2026, 18:13
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