Der geplante Mega-Deal rund um MediaMarkt sorgt für Unsicherheit: Während ein chinesischer Online-Riese den Mutterkonzern übernehmen will, stellt sich Österreich quer – mit möglichen Folgen für den heimischen Markt.
Der Internethändler JD.com treibt seine Expansion in Europa voran und plant, gemeinsam mit Partnern 85 Prozent an Ceconomy zu übernehmen. Der Konzern ist die Muttergesellschaft von MediaMarkt, dem führenden Elektrohändler in Österreich. JD.com zählt mit einem Jahresumsatz von rund 153 Milliarden Dollar zu den größten Online-Unternehmen weltweit.
Doch die milliardenschwere Übernahme ist noch nicht fix. In Österreich muss das Wirtschaftsministerium der "ausländischen Direktinvestition" zustimmen – und genau hier gibt es Probleme. Während Frankreich und Italien bereits grünes Licht gegeben haben, bestehen hierzulande "Sicherheitsbedenken", insbesondere beim Datenschutz.
Das Wirtschaftsministerium bestätigt unterdessen, dass ein entsprechender Antrag vorlag, dieser jedoch mit 10. April zurückgezogen wurde. Die konkreten Absichten der beteiligten Unternehmen seien daher aktuell unklar. Gleichzeitig zeigt man sich irritiert über Aussagen, wonach sich die Behörde einer Lösung verweigere.
Grundsätzlich verweist das Ministerium darauf, dass Österreich ein offener Wirtschaftsstandort sei. Investitionen seien erwünscht, gleichzeitig werde genau geprüft, wenn es um Sicherheit, öffentliche Ordnung oder kritische Infrastruktur gehe. Grundlage dafür seien europäische und nationale Regeln im Rahmen der EU-FDI-Screening-Verordnung.
Im aktuellen Verfahren werde insbesondere untersucht, ob durch die geplante Übernahme Risiken für sicherheitsrelevante Bereiche entstehen könnten. Dazu zählt auch die Frage, ob der Investor unter staatlichem Einfluss steht oder in der Vergangenheit in illegale Aktivitäten verwickelt war.
MediaMarkt-Chef Jan Niclas Brandt verweist darauf, dass JD.com bereits auf die Bedenken reagiert habe. So seien Zusicherungen zu Arbeitsplätzen, zur Marke und zur Eigenständigkeit gemacht worden. Dennoch könnte sich der Deal weiter verzögern, im Unternehmen rechnet man nicht mehr mit einem Abschluss im ersten Halbjahr.
Sollte Österreich weiterhin blockieren, könnte das drastische Konsequenzen haben. "Die letzte Option ist ein Rückzug aus Österreich", sagte Brandt gegenüber der "Krone". Ein solcher Schritt wäre aus seiner Sicht auch ein "hartes Signal an ausländische Direktinvestoren".
JD.com scheint dennoch entschlossen, die Übernahme durchzuziehen – notfalls auch ohne das Österreich-Geschäft von MediaMarkt. Dabei gilt gerade die heimische Tochter als besonders stark: Sie ist die profitabelste innerhalb der Gruppe und hat den höchsten Marktanteil.
Bleibt Österreich außen vor, ist die Zukunft von MediaMarkt im Land unklar. Eine alternative Käufersuche könnte sich schwierig gestalten.