Sie wiegen manchmal kaum mehr als ein Gramm, passen auf einen Fingernagel und brauchen rund um die Uhr Betreuung: Fledermausbabys gehören wohl zu den anspruchsvollsten Pfleglingen überhaupt. Im Alpenzoo Innsbruck weiß man davon mittlerweile ein Lied zu singen. Zwischen Februar und September wurden dort unglaubliche 77 verletzte, geschwächte oder verwaiste Fledermäuse aus 46 Tiroler Gemeinden aufgenommen. Darunter Vertreter von 14 verschiedenen Arten – von der Mopsfledermaus bis zur Weißrandfledermaus.
Besonders ans Herz ging den Tierpflegern eine kleine Zwergfledermaus namens "Lupin". Das Baby war gerade einmal einen Tag alt, als es ohne seine Mutter im Alpenzoo landete. Sogar die Nabelschnur war noch zu sehen! Das winzige Wesen wog anfangs nur 1,2 Gramm und war kaum größer als ein Fingernagel.
Für seine menschlichen Ersatzeltern bedeutete das vor allem eines: Nachtschichten! Alle zwei Stunden musste der Winzling mit spezieller Milch versorgt werden. Dazu kamen Wärme, ständige Kontrollen und viel Fingerspitzengefühl. Mehlwürmer am Nachttisch und schlaflose Nächte gehörten für das engagierte Team bald zum Alltag.
Doch mit dem Aufpäppeln allein ist es nicht getan. Schließlich müssen die kleinen Patienten nach ihrer Genesung wieder selbstständig durch die Nacht flattern und Insekten jagen können. Deshalb absolvieren die Fledermäuse im Alpenzoo sogar eine eigene Flugschule: In einem speziellen "Mückenzelt" trainieren sie ihre Flugkünste und bereiten sich auf das Leben in Freiheit vor.
Wer eine verletzte oder geschwächte Fledermaus entdeckt, sollte sie niemals mit bloßen Händen anfassen. Mit Handschuhen oder einem Tuch kann das Tier vorsichtig in einen gut verschlossenen Karton mit kleinen Luftlöchern gesetzt werden. Anschließend sollte es an einem ruhigen, geschützten Ort untergebracht und möglichst rasch eine Fledermaus-Auffangstation kontaktiert werden. Keinesfalls eigenständig füttern!
Der Einsatz hat sich gelohnt: Rund 75 Prozent der aufgenommenen Fledermäuse konnten wieder ausgewildert werden. Ein besonders schöner Moment für die Pfleger, wenn ihre ehemaligen Schützlinge vom Handrücken abheben und in der Tiroler Nacht verschwinden.
Seit dem Frühjahr 2026 übernimmt der Alpenzoo die spezialisierte Betreuung hilfsbedürftiger Fledermäuse in Tirol. Die Tiere sind nicht nur faszinierende Flugkünstler, sondern auch wichtige Insektenjäger. Alle heimischen Fledermausarten stehen unter strengem Schutz.
Damit auch künftig möglichst viele der kleinen Nachtschwärmer eine zweite Chance bekommen, ist die Rettungsstation weiterhin auf ehrenamtliche Unterstützung und Patenschaften angewiesen. Denn hinter jeder erfolgreichen Auswilderung stecken unzählige Stunden Pflege – und manchmal eben auch eine ziemlich schlaflose Nacht.