Der jüngste Vorschlag des Fiskalrats, aus Gründen notwendiger Budget-Einsparungen Pendlerpauschale und Pendlereuro abzuschaffen, lässt die politischen Wogen hoch gehen. Länder-Granden gehen auf die Barrikaden, sprechen von einer "völlig realitätsfremden" Idee noch dazu zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.
Tatsächlich treibt der Nahost-Krieg die Preise an den Zapfsäulen nach oben. Für viele Menschen, die täglich mit dem Auto in die Arbeit pendeln müssen, ist die Fahrt damit spürbar teurer geworden.
„Das Pendlerpauschale streichen zu wollen, geht an der Realität der arbeitenden Bevölkerung völlig vorbei.“Thomas StelzerLandeshauptmann Oberösterreich (ÖVP)
"Hunderttausende Menschen stehen jeden Tag früh auf, nehmen eine längere Wegstrecke zur Arbeit und halten damit unser Land am Laufen. Gerade diese Menschen sind durch steigende Tankpreise ohnehin stark belastet", erklärt Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP).
Pendlerpauschale
Grundlage für die Höhe ist die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Eine Rolle spielt außerdem, ob Öffi-Nutzung möglich/zumutbar ist. Das Pendlerpauschale beträgt zwischen 31 und 306 Euro pro Monat. Der maximale Betrag pro Jahr sind also 3.672 Euro.
"Wer im ländlichen Raum lebt oder in Regionen arbeitet, in denen es keine passende öffentliche Verbindung gibt, ist auf das Auto angewiesen", so Stelzer weiter. "Diese Menschen jetzt zusätzlich zur Kasse zu bitten, wäre das völlig falsche Signal."
„Ohrfeige für alle, die jeden Tag zur Arbeit pendeln.“Hans Peter DoskozilLandeshauptmann Burgenland (SPÖ)
Das Pendlerpauschale jetzt infrage zu stellen, sei "die falscheste Idee zum falschestmöglichen Zeitpunkt", empört sich Burgenland-Chef Hans Peter Doskozil (SPÖ): "Die Streichung des Pendlerpauschales wäre ein direkter Anschlag auf die Gehälter der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Betroffen wären ausgerechnet jene Menschen, die durch die hohen Lebenshaltungskosten ohnehin besonders zum Handkuss kommen."
Besonders abenteuerlich sei, so Doskozil, dass die Debatte gerade jetzt angeheizt werde: "Dass dieser Vorschlag ausgerechnet in einer Phase kommt, in der die Spritpreise regelrecht explodieren, ist ein fatales Signal, eine grobe politische Fehleinschätzung und eine Ohrfeige für alle, die jeden Tag zur Arbeit pendeln. Während die Preise in die Höhe schießen, wird darüber diskutiert, den Pendlern noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen."
Der burgenländische Landeshauptmann fordert von der Regierung vielmehr "Maßnahmen zur Eindämmung der Spritpreise – und das sofort".
„Als Land der Pendler kommt es für uns in Niederösterreich keinesfalls in Frage, jene zu bestrafen, die jeden Tag aufstehen und unsere Gesellschaft am Laufen halten.“Johanna Mikl-LeitnerNiederösterreichische Landeshauptfrau (ÖVP)
"In Wien gibt es oft sehr wenig Gespür, wie das Leben außerhalb der Bundeshauptstadt funktioniert", erklärt sich die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) die Forderung des Fiskalrats.
"Als Land der Pendler kommt es für uns in Niederösterreich keinesfalls in Frage, jene zu bestrafen, die jeden Tag aufstehen und unsere Gesellschaft am Laufen halten" so Mikl-Leitner zu "Heute". Das Pendlerpauschale sei ein wichtiges Instrument, um Arbeitnehmer im ländlichen Raum auf ihrem Weg zur Arbeit zu unterstützen. "Wer über eine Streichung nachdenkt, der kennt die Lebensrealität von vielen Österreicherinnen und Österreichern nicht", macht die NÖ-Chefin klar.
"In Zeiten hoher Spritpreise sollten wir lieber die Spritsteuern temporär aussetzen", betont Mikl-Leitner.
Laut Lohnsteuerstatistik (2024) profitieren in Österreich rund 456.000 Menschen vom Pendlerpauschale, besonders viele in den großen Flächenbundesländern wie Oberösterreich und Niederösterreich.
Schätzungen zeigen zudem, dass sich die Ausgaben für Autofahren pro Haushalt in Oberösterreich seit 2019 um durchschnittlich 63,40 Euro pro Monat erhöht haben. Das entspricht rund 760 Euro Mehrkosten pro Haushalt und Jahr.
Oberösterreich hat mit Beginn 2025 die Beihilfe für Pendler, die längere Wege zur Arbeit zurücklegen müssen, sogar erhöht (Beispiel: für einen Weg zwischen 50 und 74 km steigt das Pendlerpauschale von 306 auf 322 Euro). Anträge können rückwirkend gestellt werden, aktuell für das Pendeljahr 2025.