Bekannt als Goretex-Konkurrent und Pionier im Bereich nachhaltiger Funktionsstoffe, entwickelt und produziert Sympatex seit 1986 wasserdichte und atmungsaktive Membranen, die unter anderem in Outdoor- und Regenjacken, Schuhen sowie in Berufs- und Schutzkleidung zum Einsatz kommen.
Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 22,8 Millionen Euro. Nun sah sich der Spezialtextilhersteller gezwungen, Insolvenz anzumelden.
"Die Antragstellung ist das Ergebnis schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, die zuletzt nicht mehr allein durch das operative Geschäft ausgeglichen werden konnten", erklärte Geschäftsführerin Kim Scholze in Bezug auf den Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit.
Mit Sitz in Unterföhring bei München beschäftigt Sympatex rund 70 Mitarbeiter. Deren Löhne und Gehälter seien bis Ende März über das Insolvenzgeld gesichert, betont Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach. "Sympatex verfügt über eine technologisch starke Position im Markt und Mitarbeitende mit umfassendem Spezialwissen. Ziel des Verfahrens ist es, diese Substanz zu sichern und eine tragfähige Lösung für die Zukunft des Unternehmens zu entwickeln", so der Jurist zur "Wirtschaftswoche".
Der operative Geschäftsbetrieb soll zunächst uneingeschränkt weiterlaufen. Kundenaufträge werden weiterhin bearbeitet, laufende Projekte planmäßig umgesetzt.
Bierbach und sein Team verschaffen sich derzeit einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Lage und wollen in den kommenden Wochen sämtliche Optionen für eine mögliche Fortführung prüfen.
Auch die Muttergesellschaft Smart Solutions Holding hat inzwischen Insolvenz angemeldet. Ein Gutachten soll klären, wie es weitergeht. Das Verfahren betrifft neben Mitarbeitern und Geschäftspartnern auch zahlreiche Anleger. Hintergrund ist eine Mittelstandsanleihe aus dem Jahr 2013, die der Holding zur Wachstumsfinanzierung diente.
Bereits im Oktober 2025 hatte das Landgericht die damalige Restrukturierung der Anleihe scharf kritisiert. Anleger seien im Zuge eines Schuldenschnitts über angebliche Kaufinteressenten getäuscht worden. Ob und in welchem Umfang mögliche Forderungen von Investoren im aktuellen Insolvenzverfahren eine Rolle spielen, ist noch offen.
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein: Bierbach und sein Team wollen in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung prüfen, wie Sympatex wirtschaftlich stabilisiert und zukunftsfähig aufgestellt werden kann. "Die Insolvenz bietet die Chance, Sympatex neu zu strukturieren und einen Start ohne die Altlasten der Vergangenheit zu ermöglichen", betont der Insolvenzverwalter.