Neuer Erzbischof von Wien

Bischofsweihe im Dom – so lief Grünwidls großer Tag

Am Samstag wurde Josef Grünwidl als neuer Erzbischof im Stephansdom geweiht. Vom Einzug bis zur Amtsübernahme: Das waren die wichtigsten Momente.
Newsdesk Heute
25.01.2026, 10:00
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Josef Grünwidl hat am Samstag im Stephansdom offiziell die Leitung der Erzdiözese Wien übernommen: In einem Festgottesdienst weihte Kardinal Christoph Schönborn seinen Nachfolger zum Bischof.

Nach der Handauflegung durch Schönborn und die weiteren anwesenden 28 katholischen Bischöfe erhielt Grünwidl Mitra, Ring und Bischofsstab. Danach wurde er zur Kathedra geführt – um 15:38 Uhr nahm er dort Platz, was die Mitfeiernden mit minutenlangem Applaus quittierten.

Schon vor Beginn der Weiheliturgie wurde in der gesamten Erzdiözese Wien als "Zeichen der Freude über die Amtseinführung" geläutet. Begleitet von rund 60 Jugendlichen kam Grünwidl am Stephansplatz an, empfangen von Blasmusikern aus Perchtoldsdorf. Kurz vor 14 Uhr betrat er zum Schlagen der Pummerin den Dom, wurde vom Domkapitel begrüßt und betete vor der Ikone von Maria Pocs.

Ernennungsschreiben von Papst Leo XIV.

Der Gottesdienst begann anschließend in der Vierung des Domes, wo Schönborn als Weihespender wartete und auch die Tauferinnerung stattfand. Während Grünwidl noch beim Taufbecken inmitten der Gläubigen stand, wurde das päpstliche Ernennungsschreiben von einer Seelsorgerin aus dem Weinviertel verlesen.

Darin hob Papst Leo XIV. hervor, dass die Apostel von Christus erwählt wurden, um das Evangelium zu verkünden – und dass dies auch die erste Aufgabe der Bischöfe als Nachfolger der Apostel sei, die Nächstenliebe zu üben hätten "als Brückenbauer, Seelsorger und Teamplayer". Wörtlich heißt es weiter: "Deshalb geliebter Sohn, haben wir an Dich gedacht", weil Grünwidl "in reichem Maß priesterliche und menschliche Talente gesammelt" habe. Und: "Nimm die Melodie des Herrn auf, um recht, getreu und sanft das Evangelium zu verkünden".

"Hörendes Herz" und der Weg zum Ja

Schönborn wünschte Grünwidl in seiner Predigt ein "hörendes Herz" sowie die "Gabe der Weisheit und Unterscheidung". Mehrfach ging Schönborn darauf ein, dass Grünwidl das Amt nicht gesucht habe. Schon nach drei Jahren als Bischofssekretär (1995 bis 1998) habe er darum gebeten, wieder in die Pfarrseelsorge zu wechseln. "Du wolltest bei den Leuten sein. An einer kirchlichen 'Karriere' hattest du kein Interesse", sagte Schönborn.

Schönborn habe beeindruckt, "wie klar und entschieden" Grünwidl auf sein Gewissen gehört habe: Es habe Nein zum Bischofsamt gesagt – und er habe das auch als Gottes Wort verstanden. Gleichzeitig hätten viele ihn gebeten, Ja zu sagen, sollte er vom Papst ernannt werden.

So sei es dazu gekommen, "dass dein klares Nein einer inneren Bereitschaft gewichen ist". Am Ende habe Grünwidl "aus ganzem Herzen Ja gesagt". Ein Satz Grünwidls habe Schönborn besonders bewegt: "Gott braucht mich nicht perfekt, sondern verfügbar."

Handauflegung, Salbung und Insignien

Auf dem Weg zur Weihe begleiteten Grünwidl zwei ihm nahestehende Priester: sein Priesterfreund Ernst Pankl und sein ehemaliger Spiritual im Priesterseminar, P. Elmar Mitterstieler. Die Weihe selbst begann mit der Anrufung des Heiligen Geistes und der Allerheiligenlitanei. Der zentrale Akt war die Handauflegung durch Schönborn sowie die beiden Mitkonsekratoren Erzbischof Lackner und Bischof Pribyl – ergänzt durch alle anwesenden katholischen Bischöfe. Das geschah in Stille zum Klang der Pummerin.

Diakone hielten dabei das Evangeliar über Grünwidls Kopf – als Zeichen seiner ersten Aufgabe als Verkünder des Evangeliums. Nach der Salbung mit Chrisam folgten Mitra, Ring und Bischofsstab, danach die Führung zur Kathedra. Im Anschluss an die Amtsübernahme gab es Friedensgruß und Solidaritätsbekundungen verschiedener Verantwortungsträger aus der Erzdiözese – begleitet von allen drei Orgeln im Stephansdom.

Video: "Seelsorger, Teamplayer und Brückenbauer" - das ist der neue Wiener Erzbischof

Gäste aus der Politik

Neben vielen kirchlichen und religiösen Vertretern waren auch Spitzen der Republik im Dom: Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sowie Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Zudem waren die Minister Claudia Bauer und Gerhard Karner sowie die Grünen-Chefin Eleonore Gewessler anwesend.

Grünwidls erste Worte als Erzbischof

Am Ende der Weiheliturgie ergriff Grünwidl erstmals als neuer Erzbischof das Wort: "Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ". Er verwies darauf, dass er in bewegten Zeiten ins Amt komme und sich eine vertraute Kirchengestalt "dramatisch schnell" verändere – zugleich sei Kirche mehr als ihre sichtbare Gestalt, die sich geschichtlich immer wieder verändert habe.

Grünwidl betonte, die Kirche definiere sich nicht über Statistiken und Strukturen oder über ihr "Bodenpersonal", "das sehr oft Großartiges leistet, aber leider auch gelegentlich traurig versagt". Die Kirche "ist mehr und sie ist besser als ihr Ruf". Anknüpfend an seinen Wahlspruch bezeichnete er sie als "ein Instrument Gottes in der Welt, die Lyra in der Hand des auferstandenen Christus".

Grünwidl dankte Papst Leo für die Ernennung und richtete auch persönliche Worte an Schönborn: "Du hast mir immer Mut gemacht und bist mir seit mehr als 30 Jahren als Mensch ein guter Freund, in deinem Christsein ein Vorbild und als Bischof ein Wegweiser für mein neues Amt als dein Nachfolger." An den Nuntius gerichtet sagte er: "Exzellenz, ich weiß, Sie hatten es in den letzten Monaten nicht immer leicht mit mir. Aber Sie haben mich geduldig und väterlich begleitet, ermutigt und bestärkt."

Segnungen und Grußworte zum Schluss

Nach der Kommunion nahm Grünwidl Mitra und Stab und zog durch den Stephansdom, um die Gläubigen zu segnen. Kurz wechselte er einige Worte mit Bundespräsident Van der Bellen. Danach wurde er von Bischöfen und Vertretern anderer christlicher Kirchen gesegnet. Bereits zuvor hatte er beim Friedensgruß den Vertretern der Ökumene die Hand gereicht.

Grußworte der Landeshauptleute

Grußworte am Ende kamen von Bürgermeister Michael Ludwig und Landeshauptfrau Mikl-Leitner. Mikl-Leitner würdigte Grünwidl als "einen Menschen, der zuhört, der begleitet, der tröstet und Orientierung gibt". Er sei in Niederösterreich "tief verwurzelt" und kenne die Menschen. Das Amt sei "keine Funktion, sondern ein Dienst: ein Dienst an den Menschen, an der Kirche und an deiner Heimat".

Ludwig zeigte sich überzeugt, Grünwidl werde das Erbe Schönborns mit "Leadership" fortführen und weiterentwickeln. Er bezeichnete den neuen Erzbischof als "Gottesmann und Menschenfreund in einer Person" und erinnerte an Grünwidls Silvesteransprache mit einer "großen Vision des Miteinanders". Als Bürgermeister der "Stadt des Miteinanders" heiße er ihn "ganz herzlich" willkommen.

3.000 Gläubige im Stephansdom

Rund 3.000 Gläubige feierten im Stephansdom mit, darunter viele haupt- und ehrenamtlich Engagierte der Erzdiözese, Familienangehörige und Wegbegleiter. 27 Bischöfe, rund 600 Kleriker und 150 Ministranten waren im Dom.

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