Altersunterschied

Daddy Issues – warum daten junge Frauen ältere Männer?

Älterer Mann mit junger Frau – diese Kombination sorgt oft für Gesprächsstoff. Eine Paarberaterin erklärt, was es psychologisch damit auf sich hat.
Heute Life
13.02.2026, 16:02
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Die Tochter von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Gloria-Sophie Burkandt (27), ist mit Eric Schmidt (70), dem ehemaligen Google-Chef, liiert – 43 Jahre liegen zwischen den beiden. Schauspieler Leonardo DiCaprio (51) ist dafür bekannt, ausschließlich junge Frauen zu daten. Von seiner aktuellen Freundin Vittoria Ceretti trennen ihn 24 Jahre. Und Schauspieler Orlando Bloom (49) soll mit dem Schweizer Model Luisa Laemmel (28) zusammen sein – auch hier trennen die beiden 21 Jahre.
Für alle drei Paare scheint das Alter keine Rolle zu spielen. Kann man jemanden lieben, der so alt oder sogar älter ist als der eigene Vater? Im Showbusiness ist das längst keine Seltenheit mehr.

Im Internet wird das Thema aber oft kritischer gesehen. Unter Fotos von Burkandt und Schmidt liest man auffällig oft: "Die hat wohl Daddy Issues". Doch was heißt das eigentlich? Paar- und Sexualberaterin Bettina Disler aus Zürich erklärt.

Was steckt hinter dem sogenannten Vaterkomplex?

Im Netz werden sogenannte "Daddy Issues" schnell diagnostiziert – in der Psychologie sucht man den Begriff aber vergeblich. "Vielmehr ist es ein umgangssprachlicher Ausdruck für Beziehungsmuster, die mit frühen Erfahrungen mit dem Vater oder einer Vaterfigur zusammenhängen", sagt Disler.

"Ältere Partner stehen für Sicherheit"

Wie verlässlich war der Vater? War er distanziert oder immer da? Solche Erfahrungen prägen uns oft unbewusst. Fehlten Nähe, Stabilität oder emotionale Verfügbarkeit, kann das das spätere Bindungsverhalten beeinflussen: "Deutlich ältere Partner symbolisieren dann unbewusst Sicherheit oder Orientierung."

Wer eine unterstützende Bezugsperson hatte, entwickelt laut Disler meist ein stabiles Selbstwertgefühl und kann Nähe gut zulassen. Wer als Kind aber um Aufmerksamkeit kämpfen musste, passt sich später oft in Beziehungen stark an oder hat große Angst vor Verlust. Auch Kritik, Abwesenheit, Überbehütung sowie der Umgang mit Streit und Autorität prägen das Bild von Partnerschaft. Das kann zu ängstlichen, vermeidenden oder chaotischen Bindungsstilen führen.
Wichtig ist: Diese Bindungsmuster sind nicht in Stein gemeißelt. "Durch neue Beziehungserfahrungen, Selbstreflexion und persönliche Entwicklung kann man seinen Bindungsstil im Laufe des Lebens verändern."

Gleiche Interessen, Reife, Anziehung – es gibt viele Gründe

Doch nicht jede 30-Jährige mit einem 60-jährigen Freund sucht einen Vaterersatz. Oft sind die Gründe viel einfacher: Gleiche Interessen, Reife, ähnliche Ziele im Leben oder einfach gegenseitige Anziehung – auch das spielt eine Rolle. "Manche überschreiten auch bewusst gesellschaftliche Normen oder schätzen Vorteile wie finanzielle Sicherheit oder Status", zählt Disler auf.

Moralische Urteile treffen meist nur eine Seite

Wer eine Beziehung vorschnell als Daddy Issues abstempelt, stigmatisiert die Betroffenen. "Betroffene fühlen sich oft missverstanden und haben das Gefühl, dass ihre Gefühle falsch sind. Solche Ettiketten führen dazu, dass man zu schnell und oberflächlich urteilt, ohne die wirklichen Gründe zu kennen." Ist die Beziehung für beide erfüllend, ist das eine legitime Entscheidung. "Wiederholen sich aber immer wieder Konflikte, Enttäuschungen oder Abhängigkeiten, kann das ein Zeichen für ein unbewusstes Muster sein."

Bemerkenswert: In der öffentlichen Diskussion wird fast immer das Verhalten der jungen Frau hinterfragt. "Das Abweichen vom Erwartungsbild wird moralisch stark bewertet", sagt Disler. Die Rolle des Vaters oder des viel älteren Mannes bleibt meist außen vor – "auch, weil Männer historisch lange als Norm oder Autorität galten", erklärt die Expertin. Das sei aber einseitig: "Beziehungsmuster entstehen immer im Zusammenspiel mehrerer Personen und haben komplexe Hintergründe."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 13.02.2026, 16:40, 13.02.2026, 16:02
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