Sie sieht spektakulär aus, liebt Hitze und ist trotz ihrer Warnfarben völlig harmlos: Die Wespenspinne fühlt sich in Österreich zunehmend wohl. Der Naturschutzbund bittet jetzt um Mithilfe bei der Erforschung der auffälligen Achtbeinerin.
Wer derzeit durch sonnige Wiesen oder entlang von Ackerrändern spaziert, könnte auf ein kleines Kunstwerk stoßen: In ihrem tellergroßen Radnetz sitzt die schwarz-gelb gestreifte Wespenspinne (Argiope bruennichi), wegen ihres auffälligen Hinterleibs auch Zebraspinne genannt. Ursprünglich stammt die wärmeliebende Art aus dem Mittelmeerraum, seit den 1950er-Jahren ist sie aber auch in Österreich heimisch. Inzwischen findet man sie in allen Bundesländern – vor allem auf sonnigen, offenen Flächen unterhalb von rund 900 Metern Seehöhe. Wärme und Trockenheit machen ihr wenig aus, weshalb sie als Gewinnerin steigender Temperaturen und sogar als "Klimaindikatorin" gilt.
Wespenspinnen (mit)erforschen: Der Naturschutzbund bittet, Begegnungen mit der Wespenspinne fotografisch zu dokumentieren und die Fotos auf www.naturbeobachtung.at oder der gleichnamigen App hochzuladen. So hilft man, mehr über Vorkommen und Verbreitung dieser Art herauszufinden.
Besonders auffällig ist ihr Netz: Mitten durch das Rad zieht sich häufig ein weißliches Zickzack-Band. Dieses sogenannte Stabiliment ist offenbar ein echtes Multifunktionswerkzeug. Je nach Situation kann es unter anderem bei Tarnung und Beutefang helfen, möglicherweise Wasser sammeln und sogar bei der Wiederverwertung wertvoller Proteine eine Rolle spielen. Auf dem Speiseplan der Wespenspinne stehen vor allem Insekten. Für Menschen besteht hingegen kein Grund zur Sorge: Die Tiere sind ausgesprochen beißunlustig und ihre Giftklauen können die menschliche Haut in der Regel gar nicht durchdringen.
Weniger gemütlich geht es im Liebesleben zu. Ab Ende Juli paaren sich die Wespenspinnen – und das deutlich kleinere Männchen überlebt das Rendezvous häufig nicht. Das Weibchen verspeist seinen Partner und nutzt die zusätzlichen Nährstoffe für die Eiproduktion. In einem ballonförmigen, beige-braunen Kokon, der wegen seines Aussehens auch "Tabakbeutel" genannt wird, können mehr als hundert Eier stecken. Nach der Eiablage stirbt schließlich auch das Weibchen.
Die Jungspinnen schlüpfen bereits einige Wochen später, verbringen den Winter jedoch geschützt im Kokon. Im Frühjahr beginnt dann ihre große Reise: Auf Grashalmen produzieren sie feine Seidenfäden und lassen sich vom Wind davontragen – eine Technik, die "Ballooning" genannt wird. Nach der Landung bauen sie sofort ihr erstes Fangnetz. Innerhalb weniger Wochen wachsen die kleinen Luftakrobaten zu erwachsenen Spinnen heran.
Kennst du schon die "Spinne mit dem Stempel"? Klick dich durch:
Ökologisch sind die auffälligen Achtbeiner durchaus wertvoll: Sie halten Insektenbestände in Schach und stehen gleichzeitig selbst auf dem Speiseplan von Vögeln, Hornissen oder Gottesanbeterinnen. Um herauszufinden, wie stark sich die Wespenspinne mittlerweile in Österreich ausbreitet, bittet der Naturschutzbund um Mithilfe: Wer eine entdeckt, kann seine Beobachtung auf naturbeobachtung.at oder über die gleichnamige App melden.