Die Alpinpolizei in der Steiermark hat den Ablauf des Lawinenunglücks unter dem Schönfeldspitz bei Pusterwald (Bezirk Murtal) rekonstruiert. Bei dem Unglück am Samstagnachmittag kamen drei Menschen ums Leben – eine Gruppe tschechischer Skitourengeher war in eine Lawine geraten.
Laut den Ermittlern war die siebenköpfige Gruppe gut ausgerüstet und verhielt sich nach dem Abgang der Lawine routiniert. "Sie haben gut agiert", sagte der Leiter der Alpinen Einsatzgruppe Murtal, Wolfgang Murer, am Montag zur APA. Die Befragungen wurden mit Dolmetschern durchgeführt.
Die Tschechen hatten bereits am Freitag eine Skitour in der Region unternommen. Am Samstag wollten zwei Frauen und fünf Männer im Alter zwischen 35 und 69 Jahren auf den Schönfeldspitz (2.202 Meter) steigen. Um 10 Uhr starteten sie beim Parkplatz Hainzl, den Gipfel erreichten sie laut Polizei nach etwa vier Stunden.
"Nachdem sie sich gestärkt und für die Abfahrt vorbereitet hatten, sind sie guter Stimmung abgefahren", schilderte Murer. Gegen 14.45 Uhr löste sich dann unterhalb des Gipfels die Lawine.
Vier Personen wurden erfasst und verschüttet: zwei Frauen und zwei Männer. Die Gruppe reagierte laut Alpinpolizei professionell. Eine Frau, die nur teilweise verschüttet war, wurde unverletzt ausgegraben. Mithilfe von Lawinenpieps (LVS) wurden die übrigen drei Verschütteten geortet. Zwei konnten ebenfalls ausgegraben werden, eine weitere Person zumindest teilweise.
Entscheidend sei bei solchen Einsätzen die Zeit. "Bei über 15 Minuten unter der Lawine nimmt die Überlebenschance rapide ab", so der Alpinspezialist. In diesem Fall dauerte die Suche laut Polizei etwa eine Stunde. Ein Gruppenmitglied fuhr ins Tal, um Alarm zu schlagen – an der Unglücksstelle und im Umfeld gab es keinen Handyempfang.
Als die Verschütteten gefunden wurden, waren sie laut Polizei bereits leblos. Auch die später eintreffenden Einsatzkräfte mussten feststellen, dass drei Gruppenmitglieder nicht mehr gerettet werden konnten.
Wegen Dunkelheit sowie schlechtem Wetter mit Wind und Nebel musste die Bergung am Samstag abgebrochen und auf Sonntag verschoben werden. Am Sonntag konnten die Verunglückten mit Unterstützung von zwei Polizeihubschraubern geborgen werden.
Die Bergrettung sprach von einer besonders schwierigen Aufgabe: Das Abseilen der Verunglückten aus dem steilen Gelände über mehrere hundert Höhenmeter sei ausgesprochen herausfordernd gewesen.
Zur Tourenplanung sagte Murer, diese sei grundsätzlich in Ordnung gewesen. Die Leichname wurden zur Überführung freigegeben, die Angehörigen in Tschechien seien über die Botschaft in Wien informiert worden.
Als mögliche Ursache nannte die Polizei unter anderem das bekannte "Altschneeproblem". Der Lawinenwarndienst Steiermark habe die Situation zutreffend eingeschätzt und kommuniziert. Am Samstag sei zusätzlich Schnee durch Wind in Mulden und Karen verfrachtet worden. "Diese aufbauende Umwandlung mehrerer Schneeschichten ist sehr, sehr schwer zu erkennen", sagte Murer. Ein Restrisiko bleibe bei jeder Tour.
Zum Zeitpunkt des Unglücks galt im Bereich der Unfallstelle Lawinenwarnstufe 1 (gering). Für Sonntag wurde die Stufe auf 2 (mäßig) angehoben. In beiden Fällen könne es aber im Steilgelände bereits bei geringer Zusatzbelastung zu Lawinenabgängen kommen.
Die Gegend rund um Pusterwald gilt im Sommer wie im Winter als beliebtes Tourengebiet. Immer wieder kommt es jedoch vor, dass die Straße L528 in den Ort beziehungsweise in hintere Talbereiche wegen Lawinengefahr gesperrt werden muss.