Drei Tote auf Kreuzfahrtschiff

Droht jetzt Hantavirus-Pandemie? Das sagen Experten

Der Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff weckt Erinnerungen an den Beginn der Coronapandemie. Experten geben nun jedoch Entwarnung.
Newsdesk Heute
09.05.2026, 21:18
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Drei Tote und mehrere Infizierte auf einem Kreuzfahrtschiff sorgen derzeit international für Aufsehen. Der Ausbruch des seltenen Andes-Hantavirus auf der MV "Hondius" weckt Erinnerungen an die Coronapandemie – Experten warnen jedoch vor falschen Vergleichen.

Mindestens fünf Menschen sollen sich infiziert haben, drei Personen starben bereits. Wie viele Menschen sich tatsächlich angesteckt haben, ist derzeit noch unklar. Die Infektionskette reicht inzwischen bis nach Europa.

WHO spricht von "ernster Lage"

Trotz der dramatischen Bilder sehen Fachleute derzeit aber kein Szenario wie zu Beginn der Coronapandemie. "Mit Corona hat das überhaupt nichts zu tun", sagt der Virologe Martin Eiden vom Friedrich-Loeffler-Institut gegenüber dem "Spiegel". Zwar spreche die Weltgesundheitsorganisation von einer "ernsten Lage", ein Vergleich mit dem Beginn von Covid-19 sei laut Experten jedoch nicht angebracht.

Das Andesvirus gilt als besondere Variante der Hantaviren. Während die in Europa bekannten Typen normalerweise nur von Nagetieren auf Menschen übertragen werden, sind beim Andesvirus auch Ansteckungen zwischen Menschen dokumentiert.

Die Internationale Hantavirus-Gesellschaft versucht dennoch zu beruhigen. "Diese Beobachtungen deuten nicht auf ein umfassendes Pandemierisiko hin", heißt es in einem Schreiben von internationalen Forschern. Es gebe keine Hinweise darauf, dass das Virus im Alltag ähnlich leicht übertragen werde wie SARS-CoV-2 oder Influenza.

Ansteckung nur bei sehr engem Kontakt

Auch laut Eiden braucht es für eine Ansteckung sehr engen Kontakt. "Eine einfache Tröpfcheninfektion liegt hier nicht vor", sagt der Virologe. "Es braucht über längere Zeit sehr engen Kontakt." Gerade auf Kreuzfahrtschiffen sei das problematisch: "Menschen sind über lange Zeit eng beieinander – beim Essen, beim Sport, in ihren Kabinen."

Grafik: Übertragung des Hantavirus
APA-Images / APA-Grafik

Lange Inkubationszeit und hohe Sterblichkeit

Nach bisherigen Erkenntnissen lassen sich alle bekannten Infektionen direkt auf die MV "Hondius" zurückführen. Hinweise auf eine größere Verbreitung außerhalb dieses Clusters gibt es laut Experten derzeit nicht.

Sorge bereitet den Behörden allerdings die lange Inkubationszeit. Symptome treten oft erst zwei bis vier Wochen nach einer Ansteckung auf. Zudem sei das Virus nur für kurze Zeit direkt im Blut nachweisbar. Besonders gefährlich ist außerdem die hohe Sterblichkeit. Laut Eiden erreicht sie "bei dieser Variante bis zu 40 Prozent".

Virus braucht tierisches Reservoir

Ein weiterer Unterschied zu Corona: Hantaviren benötigen normalerweise ein tierisches Reservoir, um sich dauerhaft auszubreiten. Beim Andesvirus handelt es sich dabei um eine südamerikanische Reisrattenart. Experten halten es für äußerst unwahrscheinlich, dass europäische Nagetiere das Virus übernehmen könnten.

"Ich sehe kein realistisches Risiko, dass das natürliche Nagetierreservoir des Andesvirus nach Europa überspringt", sagt der Virologe Olli Vapalahti von der Universität Helsinki.

Experten schließen kleinere Infektionscluster in Europa zwar nicht völlig aus. Eine dauerhafte Ausbreitung halten sie derzeit aber für sehr unwahrscheinlich. "Nach dem, was wir wissen, ist eine anhaltende Ausbreitung in Europa sehr unwahrscheinlich", so Vapalahti.

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