Drei tote Passagiere, mehrere Infizierte und zwei schwer erkrankte Crew-Mitglieder: Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" sorgt international für Aufregung. Besonders brisant: Laut Behörden handelt es sich um die gefährliche Andes-Variante des Virus – jenes Hantavirus, bei dem sogar Übertragungen von Mensch zu Mensch beobachtet wurden.
Auch in Österreich gibt es Hantaviren. Doch Experten geben vorerst Entwarnung. "Dass ausgerechnet dieser Andes-Virusstamm, der bei sehr engem Kontakt zwischen Menschen übertragen wird, auf ein Kreuzfahrtschiff eingeschleppt wurde, ist wirklich großes Pech", sagt Robert Krause, Leiter der Infektiologie an der MedUni Graz.
Der Fall zeigt aber auch: Ganz ausschließen lässt sich eine Gefahr nicht. Denn Hantaviren treten weltweit auf – auch in Österreich. Besonders betroffen sind die Steiermark und das östliche Kärnten. Dort kommt vor allem das sogenannte Puumala-Virus vor, das von der Rötelmaus übertragen wird.
Die kleinen Nager leben nicht nur im Wald, sondern oft auch in Scheunen, Gartenhütten oder Dachböden. Über Kot und Urin scheiden sie das Virus aus. Gefährlich wird es, wenn der getrocknete Staub aufgewirbelt und eingeatmet wird – etwa beim Frühjahrsputz.
Experten warnen deshalb gerade jetzt im Frühling zur Vorsicht. Wer Gartenhütten oder alte Verschläge auskehrt, sollte laut Krause unbedingt eine FFP2-Maske und Handschuhe tragen. Nach der Arbeit gilt: gründlich Hände waschen. Werden Mäuse-Ausscheidungen entdeckt, empfiehlt der Experte chlorhaltige Reinigungsmittel: "Diese töten die Viren ab".
Während die heimischen Virusvarianten meist deutlich milder verlaufen, sind die Varianten in Nord- und Südamerika wesentlich gefährlicher. Dort endet eine Infektion in 40 bis 50 Prozent der Fälle tödlich. In Österreich sterben dagegen nur rund 0,5 Prozent der Betroffenen.
Die Symptome einer Hantavirus-Infektion reichen von grippeähnlichen Beschwerden bis hin zu lebensgefährlichen Organproblemen. Typisch sind hohes Fieber, Bauchschmerzen und Übelkeit. Besonders auffällig ist aber ein ungewöhnliches Symptom: "Erkrankte werden vorübergehend kurzsichtig", erklärt Krause. Betroffene können plötzlich nicht mehr scharf sehen oder etwa keine Zeitung mehr lesen.
Das Fatale an der Andes-Variante auf dem Kreuzfahrtschiff ist, dass es zu einer schweren Schädigung der Lunge kommt und Betroffene in den meisten Fällen an einem Lungenversagen sterben, erklärt Krause. Schwer Erkrankte benötigen oft eine Intensivstation oder sogar eine Herz-Lungen-Maschine. Eine gezielte Therapie gibt es bisher nicht. Ärzte können derzeit nur Symptome behandeln und hoffen, dass der Körper die Infektion übersteht. Hoffnung macht aber Forschung aus Österreich.
Ein internationales Team rund um Robert Krause und den Wiener Infektionsmediziner Florian Krammer untersuchte Antikörper von steirischen Patienten, die bereits an Hantaviren erkrankt waren. Das überraschende Ergebnis: "Es hat sich gezeigt, dass die Antikörper unserer steirischen Patienten auch gegen die Viren wirken, die in Nord- und Südamerika die schweren Krankheitsverläufe verursachen."
Daraus könnte künftig sogar ein Medikament entstehen. "Aus den Antikörpern unserer Patienten könnte ein Antikörper-Präparat entwickelt werden, das als Medikament weltweit eingesetzt werden könnte."
Trotz der dramatischen Fälle auf dem Kreuzfahrtschiff sehen Experten derzeit keine globale Gefahr. "Das Virus ist nicht leicht übertragbar, es braucht dafür wirklich engen Kontakt", sagt Krause. Auch der deutsche Hantaviren-Experte Martin Eiden beruhigt: "Es handelt sich dabei nicht um ein Anzeichen für eine neue globale Bedrohung, sondern vielmehr um einen seltenen und lokal begrenzten Vorfall."
Fest steht aber auch: Ganz unbekannt ist das Virus in Österreich nicht. Durchschnittlich werden hierzulande 20 bis 25 Fälle pro Jahr registriert. In starken Jahren – etwa 2012, 2019 oder 2021 – waren es sogar mehr als 200 Fälle. Heuer wurden bisher rund fünf Infektionen gemeldet, 2025 waren es insgesamt 32 Fälle.
Der gefährliche Kreuzfahrt-Ausbruch dürfte zwar glücklicherweise ein Ausnahmefall bleiben – beim Frühjahrsputz in der Gartenhütte sollten Österreicher aber trotzdem lieber Schutzmaßnahmen ergreifen.