Wer in diesen Wochen einem jungen Fuchs begegnet, muss sich nicht sofort Sorgen machen. Vor allem männliche Jungtiere, sogenannte Rüden, verlassen im Sommer nach und nach ihr Elternrevier und machen sich erstmals allein auf den Weg. Diese Phase gehört zur natürlichen Entwicklung der Tiere und ist ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstständigkeit.
Nachdem die Welpen im Frühjahr geboren wurden und ihre ersten Monate im Familienverband verbringen durften, beginnt für viele Jungfüchse nun die Abwanderung. Besonders die Rüden legen dabei oft weite Strecken zurück, um ein eigenes Revier zu finden und Konkurrenz mit dem Vatertier zu vermeiden. Auf ihrer Wanderung kennen sie sich allerdings in der Umgebung bisher nicht aus und stolpern ein wenig verwirrt umher. Sie wirken mitunter orientierungslos, überqueren Straßen, laufen durch Wohngebiete oder tauchen tagsüber an Orten auf, an denen man Füchse normalerweise kaum sieht.
Dass ein junger Fuchs unsicher oder etwas unbeholfen wirkt, ist in dieser Lebensphase völlig normal. Die Tiere sammeln erst Erfahrungen bei der Nahrungssuche, lernen Gefahren einzuschätzen und müssen sich in unbekanntem Gelände zurechtfinden. Dabei kann es vorkommen, dass sie kurz innehalten, neugierig Menschen beobachten oder scheinbar ziellos umherlaufen.
Wildtierexperten raten dazu, die Tiere nicht einzufangen oder mitzunehmen. Auch wenn sie jung aussehen, benötigen sie in den meisten Fällen keine Hilfe. Wer einem Fuchs begegnet, sollte Abstand halten und ihm ermöglichen, seinen Weg selbst fortzusetzen. Hunde sollten an der Leine geführt werden, damit es nicht zu unnötigem Stress für das Wildtier kommt.
Besondere Vorsicht ist im Straßenverkehr geboten. Junge Füchse verfügen bislang nicht über die Erfahrung älterer Artgenossen und können plötzlich auf Fahrbahnen laufen. Autofahrer sollten daher vor allem in den frühen Morgen- und Abendstunden aufmerksam unterwegs sein und in Waldnähe oder an Ortsrändern mit Wildwechsel rechnen.
Nur wenn ein Fuchs offensichtlich verletzt ist, längere Zeit regungslos an derselben Stelle bleibt oder sich in einer akuten Notlage befindet, sollte die zuständige Wildtierhilfe oder die örtliche Jägerschaft verständigt werden. In allen anderen Fällen gilt: Die jungen Rüden sind keine verwaisten Tiere, sondern befinden sich lediglich auf ihrer ersten großen Reise in ein eigenständiges Fuchsleben.