"Die Jungen grüßen ja gar nicht mehr!" – diesen Satz dürfte fast jeder schon einmal gehört haben. Doch ausgerechnet eine neue Untersuchung aus Österreich räumt jetzt mit diesem Generationen-Klischee auf. Junge Menschen grüßen nämlich sehr wohl – sie sagen dabei nur deutlich häufiger "Hallo".
Forscher rund um die ÖAW-Linguistin Katharina Korecky-Kröll haben untersucht, wie sich Menschen am Land begrüßen und verabschieden. Das Ergebnis zeigt: Traditionelle Grußformeln wie "Grüß Gott", "Griaß di" oder "Pfiat di" sind keineswegs vom Aussterben bedroht. Gleichzeitig hat sich ein alter Bekannter zum echten Allrounder entwickelt.
Das überregionale "Hallo" ist mittlerweile die mit Abstand häufigste Grußformel. Vor allem bei Jüngeren funktioniert es nahezu überall: Sie verwenden es nicht nur unter Freunden und in der Familie, sondern auch gegenüber Fremden oder weniger bekannten Personen.
Ältere Menschen greifen dagegen häufiger situationsabhängig zum Gruß: "Hallo" bleibt bei ihnen eher dem persönlichen Umfeld vorbehalten, während "Grüß Gott" bei formelleren Begegnungen seinen festen Platz behält. Das dürfte auch daran liegen, dass "Hallo" heute längst nicht mehr so informell wahrgenommen wird wie früher. Für viele Junge ist es schlicht ein neutraler Gruß.
Wie sehr die Situation entscheidet, zeigte das Experiment mit 152 Personen aus 13 ländlichen Orten. Die Teilnehmer wurden mit zwei Begegnungen konfrontiert: einer formelleren Situation in einem städtischen Geschäft und einem lockeren Treffen in der Bäckerei ihres Heimatortes. Im Geschäft entschieden sich die Teilnehmer quer durch die Altersgruppen besonders häufig für "Grüß Gott". Beim heimischen Bäcker lag dagegen "Griaß di" vorne. "Hallo" landete in beiden Situationen auf Platz zwei.
Auch beim Abschied hält sich der Dialekt: "Pfiat di" ist in ländlichen Regionen weiterhin verbreitet, besonders im Westen Österreichs. "Servus" kam in der Untersuchung hingegen vergleichsweise selten vor und wurde eher zur Begrüßung verwendet.
Besonders spannend sind regionale Eigenheiten. In Teilen Vorarlbergs und Tirols wird etwa noch mit "Heil" beziehungsweise "Heile" gegrüßt. In diesem regionalen Zusammenhang handelt es sich laut den Forschenden nicht um einen Ausdruck rechter Gesinnung.
Wie sensibel die Menschen dennoch mit der Grußformel umgehen, zeigte das Experiment: Junge Teilnehmer verwendeten sie etwa gegenüber einer simulierten Bäckereiverkäuferin aus dem eigenen Heimatort. Gegenüber einer Person aus Wien wichen sie dagegen eher auf "Hallo" oder "Grüß Gott" aus – offenbar, weil ihnen die möglichen negativen Assoziationen bewusst waren.
Ausgerechnet hier hält die Studie noch eine Überraschung bereit: Ältere Menschen beklagen häufiger, dass Junge nicht mehr grüßen oder zu oft "Hallo" statt "Grüß Gott" sagen. Im tatsächlich beobachteten Verhalten grüßten sie selbst allerdings nicht häufiger.
Jüngere grüßen also durchaus – messen dem Ritual laut Studie lediglich weniger Bedeutung bei. Ältere sehen darin stärker ein Zeichen von Respekt und erwarten eher, von Jüngeren zuerst gegrüßt zu werden.