Für Kinder sind sie oft das Highlight des Jahres, für viele Eltern dagegen ein organisatorischer Kraftakt: Die Sommerferien sorgen zunehmend für Diskussionen.
Eine neue Studie zeigt jetzt deutlich: Fast jeder zweite Österreicher hält die neun Wochen lange Ferienzeit mittlerweile für zu lang.
Laut einer repräsentativen Erhebung* des Digital Research Instituts Marketagent wünschen sich viele eine Anpassung des aktuellen Modells.
49 Prozent finden die Sommerferien zu lang, nur 43 Prozent halten die Dauer für passend. Gerade einmal 8 Prozent würden sich sogar noch längere Ferien wünschen.
Besonders auffällig: Jene, die sich eine Änderung wünschen, würden die Ferien im Schnitt auf 6,6 Wochen verkürzen. Über alle Befragten hinweg liegt die ideale Länge bei 7,6 Wochen – und damit deutlich unter den derzeitigen neun Wochen.
Während Kinder die lange Auszeit genießen, kämpfen viele Familien mit ganz anderen Problemen. Laut Studie sehen 84 Prozent der Befragten in den Sommerferien einen großen organisatorischen Druck für Eltern und Familien.
Fast neun von zehn Personen (89 Prozent) sagen sogar, dass die Betreuung während dieser Zeit für berufstätige Eltern nur schwer zu bewältigen ist.
Als größte Herausforderung nennen 60 Prozent die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung. Fast die Hälfte sieht zusätzlich die reine Organisation der Betreuung als großes Problem. Viele Familien haben schlicht nicht neun Wochen Urlaub zur Verfügung.
Dazu kommt: 55 Prozent sind überzeugt, dass die Belastung berufstätiger Eltern in der öffentlichen Debatte zu wenig beachtet wird.
Für viele Familien gibt es deshalb nur eine Lösung: Unterstützung aus dem eigenen Umfeld. 42 Prozent der Eltern greifen in den Sommerferien auf Großeltern oder Verwandte zurück. Sie sind damit das wichtigste Betreuungsnetz außerhalb von Schule und Kindergarten.
Daneben helfen Urlaubstage, flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice – doch oft wird die Ferienplanung zu einem organisatorischen Puzzle.
Nicht nur Zeit, auch Geld wird zum Problem. 72 Prozent der Eltern mit Kindern in Kindergarten, Volks- oder Mittelschule berichten von zusätzlichen Kosten durch Sommerferien und Ferienbetreuung.
Wer organisierte Angebote wie Feriencamps nutzt, bezahlt dafür im Schnitt 454 Euro pro Kind.
Viele sehen darin mittlerweile auch eine soziale Frage: 59 Prozent befürchten, dass lange Sommerferien Unterschiede zwischen Familien verstärken, weil sich nicht alle dieselben Freizeit- und Betreuungsangebote leisten können.
Auffällig ist auch die Wahrnehmung der Rollenverteilung. 46 Prozent der Befragten glauben, dass vor allem Mütter Organisation und Betreuung während der Sommerferien übernehmen. Nur ein Drittel sieht beide Elternteile gleichermaßen verantwortlich.
Trotz Kritik wünschen sich die meisten keine komplette Abschaffung der langen Ferien. Denn gleichzeitig sagen 86 Prozent, dass die Sommerpause eine wichtige Erholungszeit für Kinder ist. 71 Prozent verbinden damit schöne Erinnerungen und Tradition.
Gefragt nach Lösungen steht deshalb nicht die Kürzung an erster Stelle: 45 Prozent wünschen sich mehr Unterstützung für berufstätige Eltern, 40 Prozent leistbare Ferienbetreuung und 39 Prozent kostenlose Sommerprogramme.
Nur 16 Prozent würden alles so belassen, wie es derzeit ist.
* n = 1.000 Netto-Interviews. Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren | Inzidenz: 100%