Wer schon einmal erlebt hat, wie sich ein Chihuahua mit gerade einmal zwei Kilogramm Kampfgewicht vor einem ausgewachsenen Schäferhund aufbaut, dürfte sich diese Frage gestellt haben: Weiß dieser Winzling eigentlich, wie klein er ist? Eine neue wissenschaftliche Untersuchung liefert nun zumindest eine amüsante Erklärung für sein vermeintliches Größenwahn-Problem. Denn ausgerechnet im Erbgut des kleinsten Rassehundes der Welt haben Forscher genetische Spuren des wilden Kojoten entdeckt!
Wissenschaftler der Stanford University untersuchten mithilfe einer neuen Analysemethode namens "Gnomix" das Erbgut verschiedener Hunderassen. Dabei stießen sie auf eine Überraschung: In der DNA eines Chihuahuas fanden sich mehrere Abschnitte, die mit dem Erbgut nordamerikanischer Kojoten übereinstimmen. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Nature Communications veröffentlicht.
Wie genau diese wilden Gene in die Vorfahren der mexikanischen Zwerghunde gelangten, ist noch unklar. Die Forscher verweisen allerdings darauf, dass bereits in präkolumbianischer Zeit Hunde und Kojoten miteinander gekreuzt wurden – möglicherweise absichtlich, möglicherweise auch durch natürliche Begegnungen.
Der Chihuahua ist mit seiner ungewöhnlichen Familiengeschichte nicht allein. Auch beim mexikanischen Nackthund, dem Xoloitzcuintle, entdeckten die Forscher spannende genetische Spuren aus längst vergangenen Zeiten.
Rund vier Prozent seines untersuchten Erbguts ließen sich einer Abstammungslinie zuordnen, die mit alten amerikanischen Hunden und arktischen Hunderassen verwandt ist. Die genetischen Untersuchungen zeigen damit, dass einige mexikanische Hunderassen noch heute Spuren jener Hunde tragen, die bereits vor der Ankunft der Europäer auf dem amerikanischen Kontinent lebten.
Ob die Kojoten-Gene tatsächlich etwas mit dem oft erstaunlich selbstbewussten Auftreten der Chihuahuas zu tun haben, konnten die Wissenschaftler allerdings nicht nachweisen. Weder ihre Körpergröße noch ihr Temperament lassen sich anhand dieser Entdeckung erklären.
Laut FCI-Rassestandard wird beim Chihuahua nicht die Schulterhöhe, sondern das Gewicht beurteilt:
Idealgewicht: 1,5 bis 2,5 kg
Zulässiges Gewicht: 1 bis 3 kg
Es gibt zwei offiziell anerkannte Fellvarianten:
Kurzhaar-Chihuahua und Langhaar-Chihuahua.
Der Chihuahua bleibt also ein ganz normaler Haushund – wenn auch einer mit einer ziemlich aufregenden Familiengeschichte. Und sollte der kleine Vierbeiner beim nächsten Spaziergang wieder einmal glauben, er könne es mit einem Rottweiler aufnehmen, darf man zumindest schmunzelnd vermuten: Vielleicht hat ihm ein sehr, sehr entfernter Kojoten-Verwandter ins Selbstbewusstsein gepfuscht.