Wenn die Temperaturen sinken, werden Autos winterfest gemacht. Doch was für den Motor lebenswichtig ist, kann für Tiere zur tödlichen Gefahr werden. Vor allem Frostschutzmittel mit dem Inhaltsstoff Ethylenglykol sind hochgiftig. Schon geringe Mengen können bei Hunden und Katzen schwere Nierenschäden verursachen und ohne rasche Behandlung zum Tod führen.
Besonders gefährlich: Die Flüssigkeit kann aus undichten Kühlsystemen austreten, beim Nachfüllen verschüttet werden oder in offenen Behältern stehen bleiben. Vermischt mit Regenwasser entstehen unscheinbare Pfützen, die für neugierige Vierbeiner zur tödlichen Falle werden können.
Ethylenglykol hat einen süßlichen Geschmack, weshalb Tiere die Flüssigkeit möglicherweise freiwillig aufnehmen. Nach dem Verschlucken wird der Stoff in der Leber zu hochgiftigen Abbauprodukten umgewandelt. Diese führen zu einer Übersäuerung des Blutes und können insbesondere die Nieren massiv schädigen. Dabei entstehen unter anderem Kalziumoxalat-Kristalle, die zur akuten Nierenschädigung beitragen.
Die ersten Vergiftungserscheinungen können bereits innerhalb von 30 Minuten bis wenigen Stunden auftreten. Betroffene Tiere wirken zunächst wie betrunken, taumeln, erbrechen oder zeigen ungewöhnlich starken Durst. Später können schwere Schwäche, Krampfanfälle und ein lebensbedrohliches Nierenversagen folgen.
Nicht nur Haustiere sind gefährdet. Auch Igel, Füchse, Marder und andere Wildtiere können mit ausgelaufenem Frostschutzmittel in Kontakt kommen oder kontaminierte Flüssigkeiten aufnehmen. Besonders auf Parkplätzen, in Garagen, auf Betriebsgeländen und in Einfahrten können unbemerkte Lecks zur Gefahr werden.
Wie häufig Wildtiere tatsächlich an Ethylenglykol-Vergiftungen sterben, lässt sich allerdings kaum beziffern. Anders als bei Haustieren bleiben solche Todesfälle oft unentdeckt oder werden nicht toxikologisch untersucht.
Besonders empfindlich reagieren Katzen auf Ethylenglykol. Laut dem veterinärmedizinischen Fachwerk Merck Veterinary Manual können bereits rund 1,4 Milliliter reines Ethylenglykol pro Kilogramm Körpergewicht tödlich sein. Bei Hunden liegt die angegebene minimale tödliche Dosis bei etwa 4,4 bis 6,6 Millilitern pro Kilogramm. Die tatsächlich gefährliche Menge eines Frostschutzprodukts hängt allerdings von dessen Konzentration ab.
Typische Symptome: Taumeln, Erbrechen, auffällige Müdigkeit, starker Durst, vermehrtes Wasserlassen, später Krampfanfälle und Nierenversagen.
Das größte Problem ist der Zeitfaktor: Bei Katzen kann sich bereits innerhalb von 12 bis 24 Stunden ein schweres Nierenversagen entwickeln. Bei Hunden geschieht dies häufig innerhalb von 36 bis 72 Stunden. Besonders tückisch ist, dass sich der Zustand zwischenzeitlich scheinbar bessern kann, obwohl die Vergiftung weiter fortschreitet.
Besteht auch nur der Verdacht, dass ein Tier Frostschutzmittel aufgenommen hat, muss es unverzüglich in eine Tierklinik. Keinesfalls sollte man auf erste Symptome warten oder selbst versuchen, Erbrechen auszulösen.
Tierärzte können unter anderem das Gegenmittel Fomepizol oder unter kontrollierten Bedingungen Ethanol einsetzen, um die Bildung der giftigen Abbauprodukte zu verhindern. Entscheidend ist jedoch, dass die Behandlung beginnt, bevor irreversible Nierenschäden entstehen. Hausmittel wie das eigenständige Verabreichen von Alkohol sind keine sichere Alternative.
Tierhalter und Autofahrer können das Risiko deutlich reduzieren: Frostschutzmittel gehören in fest verschlossene, für Tiere unzugängliche Behälter. Verschüttete Flüssigkeit muss sofort mit geeignetem Bindemittel aufgenommen und fachgerecht entsorgt werden. Auch undichte Kühlsysteme sollten umgehend repariert werden.
Eine weniger giftige Alternative können Produkte auf Propylenglykol-Basis sein. Doch auch diese sind keineswegs völlig ungefährlich. Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Kühlerfrostschutz und Scheibenfrostschutz: Nicht jedes Frostschutzprodukt enthält Ethylenglykol, und die Giftigkeit hängt vom jeweiligen Inhaltsstoff ab.
Fest steht: Was auf dem Asphalt wie eine harmlose Pfütze aussieht, kann für ein Tier zur tödlichen Gefahr werden. Ein kurzer Blick unter das geparkte Auto und der sorgfältige Umgang mit Frostschutzmitteln können deshalb Leben retten.