Knusprige Haut, Rotkraut und Erdäpfelknödel: Für viele Österreicher gehört das Martinigansl zum 11. November wie der Christbaum zu Weihnachten. Doch hinter dem beliebten Festtagsessen kann sich großes Tierleid verbergen. Denn während Stopfmast und Lebendrupf in Österreich längst verboten sind, darf Fleisch aus Ländern, in denen diese Praktiken weiterhin vorkommen, nach wie vor importiert werden. Und genau diese Importe nehmen wieder zu, wie VIER PFOTEN kritisiert.
Laut aktuellen Zahlen wurden im Jahr 2025 insgesamt rund 1,24 Millionen Kilogramm Gänsefleisch nach Österreich importiert – rund 51.000 Kilogramm mehr als im Vorjahr. Besonders stark stiegen die Einfuhren aus Ungarn: Von rund 904.000 auf mehr als 962.000 Kilogramm.
Das Problem: In Ungarn werden laut VIER PFOTEN nach wie vor Gänse für die Stopfleberproduktion zwangsgemästet und Tiere lebendig gerupft. Beides verursacht erhebliches Leid. Bei der Stopfmast wird den Tieren Futter zwangsweise über ein Rohr verabreicht, beim Lebendrupf werden ihnen Federn ausgerissen.
Auch aus Polen, wo Lebendrupf ebenfalls noch vorkommt, wird Gänsefleisch importiert. Allerdings bedeutet die Herkunft aus diesen Ländern nicht automatisch, dass jedes Tier solchen Praktiken ausgesetzt war.
Besonders kritisch sieht VIER PFOTEN die Situation in der Gastronomie. Schätzungen zufolge stammen rund 70 Prozent der dort servierten Gänse aus dem Ausland. Eine verpflichtende Herkunfts- und Haltungskennzeichnung für Gänsefleisch auf der Speisekarte gibt es nicht.
„Die Gäste wissen also nicht, ob ihr Gansl gestopft oder lebendig gerupft wurde“Veronika Weissenböck Kampagnenleiterin, Vier Pfoten
Dass Österreich selbst nur einen Teil seines Gänsefleischbedarfs deckt, verschärft die Problematik zusätzlich. Der heimische Selbstversorgungsgrad sank 2025 laut VIER PFOTEN von 37 auf nur noch 34 Prozent.
Wie deutlich die Bevölkerung solche Praktiken ablehnt, zeigt eine Umfrage aus dem Jahr 2021: 83 Prozent der Befragten sprachen sich gegen Stopfmast und Lebendrupf aus. Ganze 87 Prozent befürworteten eine verpflichtende Kennzeichnung nach Herkunft und Haltungsform – auch in der Gastronomie.
Doch wie lässt sich Tierleid beim Martinigansl vermeiden? VIER PFOTEN empfiehlt als tierfreundlichste Alternative das sogenannte "Vegansl", also einen rein pflanzlichen Festtagsbraten.
Wer nicht auf Gänsefleisch verzichten möchte, sollte laut der Organisation gezielt nach österreichischen Bio- oder Weidegänsen fragen. Für diese gelten strengere Haltungsanforderungen als bei vielen konventionellen Produktionsformen im Ausland.
Für VIER PFOTEN steht fest: Solange Gäste nicht nachvollziehen können, unter welchen Bedingungen ihre Martinigans gehalten wurden, bleibt der Tierschutz beim traditionellen Festessen ein Glücksspiel.
"Kein Mensch will Tierqual am Teller", betont Weissenböck und fordert eine flächendeckende Kennzeichnung tierischer Produkte nach ihrer Haltungsform. Denn ein knuspriges Gansl verrät leider nicht, wie das Tier gelebt hat, bevor es auf dem Teller landete.