Die Debatte rund um Christopher Seiler bekommt eine neue, klare Stimme: Austropop-Kollegin Ina Regen meldet sich zu Wort – und spart nicht mit deutlichen Worten. In einem ausführlichen Posting kritisiert sie den Umgang mit dem Fall und spricht offen von "Doppelmoral".
Dabei stellt sie sich klar an die Seite jener Frauen, die Übergriffe zur Anzeige bringen, und betont: "Ich stehe an der Seite der Frauen, die den Mut und die Kraft aufbringen, über Gewalt und Machtmissbrauch zu sprechen."
Im Zentrum ihrer Kritik steht nicht nur der konkrete Vorfall, sondern ein strukturelles Problem. Regen schreibt: "In der Musikbranche – wie in der Gesellschaft insgesamt – gelten für Männer und Frauen unterschiedliche Regeln." Während Männer ihre Fehler als "menschlich" darstellen könnten und dafür teils sogar Zuspruch erhielten, hätten Frauen diesen Spielraum nicht. Sie greift auch die aktuelle Diskussion rund um Seilers Entschuldigung auf, die von vielen als mutig gefeiert wurde.
Sie erklärt dazu: "Männer dürfen 'mit Dämonen kämpfen', sich als 'unperfekte Menschen' inszenieren, selbst nach schweren Vorwürfen weiter auf Bühnen stehen, Alben veröffentlichen, Preise entgegennehmen. Ihre Fehler werden als 'menschlich' verhandelt, ihre Entschuldigungen als 'Mut' gefeiert."
Regen führt fort: "Eine Entschuldigung hat bei Männern die Kraft, den Vorwurf oder gar den Vorfall selbst vom Tisch zu wischen. Dass noch weiter darüber diskutiert werden soll, empfinden viele als lästig. Frauen haben diesen Spielraum nicht…" Zum Schluss ihres Statements auf Instagram verweist sie auf ihre Patreon-Seite, wo noch mehr von ihr zum Thema zu finden sind.
Unterstützung bekommt die Sängerin für ihre Zeilen prompt aus der Branche. Unter ihrem Beitrag bekommt Regen Beifall von einigen Musikkollegen wie Revelle, Marten, Tina Naderer oder Birgit Denk. Auch ein Like von Stars wie Conchita Wurst, Die Mayerin, Avec oder Julian Le Play gab es für ihre deutlichen Worte.
Die klare Haltung trifft einen Nerv – und verschiebt den Fokus der Debatte weg von einzelnen Aussagen hin zu grundlegenden Fragen über Macht, Verantwortung und Gleichberechtigung.