Temu, Shein und Co.

Initiative will knallharte Strafen für Ramsch-Händler

Ein breites Bündnis warnt vor unsicheren Waren aus Drittstaaten und fordert strengere Kontrollen und Plattformhaftung bis hin zu Totalsperren.
Team Wirtschaft
12.08.2026, 14:42
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Milliarden Billigpakete kommen jedes Jahr in die EU, kontrolliert werden können sie kaum. Handelsverband, Caritas Wien, Clean Clothes Campaign, Fairtrade Österreich, Global 2000 und Südwind wenden sich deshalb mit einem offenen Brief an die Bundesregierung.

Die Organisationen warnen darin nicht nur vor Nachteilen für heimische Händler, sondern auch vor Risiken für Konsumenten. Produkte aus Drittstaaten könnten ohne ausreichende Kontrollen auf den europäischen Markt gelangen und Vorgaben zu Produktsicherheit, Kennzeichnung, Umwelt, Entsorgung oder Arbeitsrechten verletzen.

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Ärger über Wettbewerbsvorteil von Ramsch-Plattformen

Allein 2025 wurden laut offenem Brief 5,9 Milliarden E-Commerce-Sendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro in die EU eingeführt. Die Zoll- und Marktüberwachungsbehörden könnten von dieser Paketflut nur einen Bruchteil überprüfen.

"Wir können nicht länger akzeptieren, dass ausgerechnet jene Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil haben, die EU-Vorgaben zur Produktsicherheit, zu Steuern, Umwelt- und Arbeitsstandards umgehen", sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Plattformen sollen für Produkte haften

Das Bündnis fordert deshalb mehr Personal und technische Mittel für Zoll und Marktüberwachung. Auch das geplante europäische Zolldatenzentrum soll schneller aufgebaut werden, damit verdächtige Sendungen leichter erkannt und Informationen zwischen Behörden besser ausgetauscht werden können.

Vor allem wollen die Unterzeichner große Online-Marktplätze stärker in die Pflicht nehmen. Plattformen dürften sich nicht darauf zurückziehen, nur Vermittler zu sein, wenn sie Produkte listen, bewerben, Zahlungen abwickeln und den Zugang zum europäischen Markt ermöglichen.

Wird ein Produkt aus einem Drittstaat angeboten, soll nach dem Willen des Bündnisses vorab geprüft werden, ob dafür ein verantwortlicher Wirtschaftsakteur in der EU oder im Europäischen Wirtschaftsraum benannt ist. Fehlt dieser, soll die Plattform selbst haften.

"Fairer Handel braucht verbindliche Regeln, wirksame Kontrollen und gleiche Bedingungen für alle Marktteilnehmer", sagt Fairtrade-Österreich-Geschäftsführer Hartwig Kirner.

App-Sperren, raus aus Suchmaschinen

Bei wiederholten Verstößen fordert das Bündnis auch deutlich härtere Sanktionen als es sie jetzt gibt. Wer systematisch gegen Steuer-, Produkt-, Umwelt- oder Konsumentenregeln verstoße, dürfe daraus keinen Wettbewerbsvorteil ziehen, so der Grundtenor.

Als äußerste Maßnahme nennt der offene Brief sogar ein Entfernen aus Suchmaschinen sowie temporäre App-Sperren. Diese Schritte sollen dann greifen, wenn andere Sanktionen bei wiederholten Verstößen nicht ausreichen.

"Temu, Shein und Co. sind gigantische Müllmaschinen", sagt Global-2000-Geschäftsführerin Alexandra Strickner. Ein Test habe gezeigt, dass chinesische Ultra-Fast-Fashion Gefahren für Umwelt und Menschen berge. Die Kleidung bestehe häufig aus Plastikfasern, könne problematische Stoffe enthalten, sei schwer recycelbar und werde oft nur kurz getragen.

Keine Belohnung für verantwortungslose Unternehmen

Auch Caritasdirektor Klaus Schwertner warnt davor, dass Firmen unter Druck geraten, die soziale und ökologische Standards einhalten. Internationale Plattformen dürften sich ihrer Verantwortung nicht entziehen. Deshalb brauche es verbindliche Regeln und gleiche Bedingungen für alle.

Südwind und Clean Clothes Campaign fordern zudem, Menschenrechte und Arbeitsstandards entlang globaler Lieferketten stärker abzusichern. Diese dürften nicht davon abhängen, ob Kleidung, Elektronik oder andere Waren über ein Geschäft, einen Webshop oder eine internationale Plattform verkauft werden.

Die sechs Organisationen fordern die Bundesregierung auf, Kontrollen in Österreich zu stärken und sich auch auf EU-Ebene für strengere Regeln, mehr Plattformverantwortung und wirksame Sanktionen einzusetzen.

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