Die Erholung der österreichischen Wirtschaft hat im zweiten Quartal 2026 einen Dämpfer bekommen. Laut aktuellem Konjunkturreport Einzelhandel des WIFO im Auftrag des Handelsverbands stagnierte die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal. Auch die Konsumnachfrage der privaten Haushalte entwickelte sich schwächer.
Im Einzelhandel blieb die Entwicklung verhalten. Die Umsätze stiegen im ersten Halbjahr nominell um 2,1 Prozent. Bereinigt um die Preisentwicklung blieb real nur ein Plus von 0,1 Prozent.
"Ein reales Umsatzplus von 0,1 Prozent bedeutet de facto Stagnation", sagt Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will. Im zweiten Quartal habe, so Will, die Dynamik, die sich rund um den Jahreswechsel gezeigt hätte, wieder nachgelassen. Von einer nachhaltigen Erholung des privaten Konsums könne man "leider noch nicht sprechen".
Die Gründe dafür ortet Jürgen Bierbaumer, Wifo-Ökonom und Autor des Konjunkturberichts, in dem durch den Iran-Krieg deutlich angestiegenen Erdölpreis. Der belaste die heimische Wirtschaft und habe die konjunkturelle Erholung unterbrochen. Gleichzeitig entwickle sich, so Bierbaumer, die Konsumnachfrage der privaten Haushalte träge.
"Einigermaßen positiv" entwickelt sich hingegen zuletzt die Inflation: Die Teuerungsrate sank im Juli auf 2,8 Prozent, nachdem sie im Juni noch bei 3,2 Prozent gelegen hatte. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke wurden im Jahresvergleich um 0,4 Prozent günstiger.
Andere Bereiche verteuerten sich jedoch weiter. Besonders stark stiegen die Preise im Verkehr mit 6,4 Prozent, in Gastronomie und Beherbergung mit 4,6 Prozent, im Gesundheitsbereich mit 4,5 Prozent sowie bei Versicherungs- und Finanzdienstleistungen mit 4,2 Prozent.
Im Handel stabilisiert sich die Beschäftigung. Im Juli waren 332.087 Menschen im Einzelhandel tätig, rund 5.300 mehr als zu Jahresbeginn. Gleichzeitig konnten 9.124 offene Stellen nicht zeitnah besetzt werden.
Auch bei den Insolvenzen gibt es eine leichte Entspannung: Im zweiten Quartal wurden österreichweit 960 Insolvenzen eröffnet, um 7,6 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Im Handel waren es 151 Fälle.
Die Stimmung verbessert sich zwar langsam, eine breite Konsumbelebung ist aber noch nicht sichtbar. Der WIFO-Konjunkturklimaindex für den Einzelhandel stieg im Juli auf -5,7 Punkte nach -11,5 Punkten im Juni.
Für 2026 erwartet das WIFO ein reales Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent. Die privaten Konsumausgaben dürften allerdings nur um 0,4 Prozent zulegen. Die Sparquote soll laut Prognose von 9,9 auf 8,7 Prozent sinken.
Damit bleibt die Konsumerholung in Österreich vorerst verhalten.