Fast zwei Jahrzehnte gehörte Ragdoll-Katze "Annie" zur Familie Jagt im US-Bundesstaat Georgia. Anfang 2025 ging es der damals 19-jährigen Katze zunehmend schlechter. Sie litt unter schwerer Arthrose, fraß kaum noch, hatte Probleme beim Toilettengang und wirkte immer häufiger desorientiert. Für ihre Menschen stand schließlich die wohl schwerste Entscheidung eines Tierhalters an: Annie sollte nicht länger leiden.
Am 14. Februar 2025 brachte Brian Jagt sie deshalb ins Senoia Animal Hospital, unterschrieb die Einwilligung zur Euthanasie und bezahlte knapp 300 Dollar für Einschläferung und anschließende Einäscherung. Die Unterlagen der Klinik führten "Annie" danach als verstorben.
Doch Annie war gar nicht tot. Statt sie wie vereinbart einzuschläfern, wurde die alte Katze von einer Mitarbeiterin der Klinik aufgenommen. Nach Angaben der Klinik waren Tierarzt und Mitarbeiterin der Ansicht gewesen, eine Euthanasie sei zu diesem Zeitpunkt nicht gerechtfertigt. Der entscheidende Punkt: Annies Familie wurde darüber nicht informiert.
Mehr noch: Laut Recherchen der US-Lokalzeitung "The Citizen" wurde Annie während der folgenden rund 18 Monate immer wieder in derselben Klinik behandelt – unter anderem mit Blutuntersuchungen, Kontrollen ihrer Nierenwerte und Injektionen. Ihre Familie trauerte währenddessen um ein Tier, von dem sie glaubte, es sei längst eingeäschert worden.
Erst im Juli 2026 kam die Wahrheit ans Licht. Eine Bekannte der Familie, die in der Klinik arbeitete, erfuhr, dass Annie noch lebte. Für die Jagts war die Nachricht ein Schock. Besonders bitter war für Sohn Tyler die Vorstellung, was die alte Katze in dieser Zeit empfunden haben könnte. Als er Annie schließlich wiedersah, soll sie klein, verwirrt und abweisend gewirkt und ihn nicht mehr erkannt haben. Die Familie schaltete die Polizei ein.
Die Klinik räumte später ein, das Vertrauen der Familie verletzt zu haben, erstattete die Kosten und erklärte, man habe aus dem Wunsch heraus gehandelt, Annies Leben zu schützen. Am 13. August 2026 wurde die mittlerweile 20 Jahre alte Katze schließlich tatsächlich eingeschläfert. Die Familie verzichtete laut US-Medien auf weitere rechtliche Schritte. Was bleibt, ist jedoch eine beklemmende Frage: Darf jemand eine Entscheidung über Leben und Tod eines Tieres einfach übergehen – selbst wenn er glaubt, damit das Richtige zu tun?