Wer in den kommenden Wochen plötzlich laute Trompetenrufe vom Himmel hört, sollte unbedingt nach oben schauen: Der große Kranichzug über Österreich hat begonnen. Tausende der imposanten Vögel werden jetzt auf ihrem Weg in den Süden unser Land überqueren.
Die ersten Kranichtrupps sind bereits in Österreich angekommen. Damit beginnt eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele des Herbstes. Meist in der typischen V-Formation ziehen die bis zu 1,20 Meter großen Vögel über das Land – und sind dabei oft schon zu hören, lange bevor man sie entdeckt. Ihre weithin schallenden, rollenden Rufe erinnern an Trompeten und können ganze Kranichschwärme begleiten.
Noch sind es vergleichsweise wenige Tiere, doch in den kommenden Wochen wird der Vogelzug deutlich stärker. Den Höhepunkt erwartet BirdLife Österreich zwischen Ende Oktober und Anfang November. Die Kraniche kommen vor allem aus ihren Brutgebieten in Skandinavien und Osteuropa und sind auf dem Weg in ihre Winterquartiere in Frankreich, Spanien und teilweise Nordafrika.
Eine besondere Rolle spielt dabei der burgenländische Seewinkel. Er hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Rastplatz entwickelt. Vor allem in der Abenddämmerung können sich dort Hunderte, mitunter sogar Tausende Kraniche sammeln. Laut trompetend schweben die gewaltigen Trupps ein, ehe die Tiere ihre Schlafplätze aufsuchen.
Bemerkenswert ist, dass dieses Schauspiel in Österreich noch gar keine so lange Tradition hat. "Der Kranichzug über Österreich ist ein vergleichsweise junges Phänomen. Erst seit den frühen 2000er-Jahren beobachten wir regelmäßig große Trupps, die unser Land auf ihrem Weg nach Südwesteuropa überqueren", erklärt BirdLife-Zugvogelexperte Matthias Schmidt.
Verwechslungen mit Gänsen, Störchen oder Reihern sind aus der Ferne möglich. Doch ein Blick auf die Silhouette hilft: Kraniche fliegen mit lang ausgestrecktem Hals, während Reiher ihren Hals S-förmig einziehen. Die langen Beine des Kranichs ragen deutlich über den Schwanz hinaus. Auch die breiten Flügel mit ihren fingerartig abgespreizten Spitzen sind charakteristisch.
Und dann wäre da natürlich noch ihr unverwechselbarer "Sound": Während Gänse schnattern, quaken oder quieken, erklingt vom Kranich ein langgezogenes, rollendes Trompeten. Wer dieses Geräusch einmal bewusst gehört hat, erkennt es meist wieder.
Damit der Kranichzug über Österreich noch genauer dokumentiert werden kann, ruft BirdLife auch heuer wieder zur Mithilfe auf. Wer einen Kranich oder einen ganzen Trupp entdeckt, kann seine Beobachtung bei der Kranich-Meldeaktion von BirdLife Österreich eintragen und auch Fotos hochladen. So wird aus dem Blick in den Herbsthimmel gleichzeitig ein kleiner Beitrag zur Erforschung eines faszinierenden Vogelzuges.