Zur Trauerfeier nach Glendale, Arizona, reisten gut 100.000 Menschen aus dem ganzen Land an. Die Organisatoren hatten die Besucher dazu aufgefordert, in den Nationalfarben zu erscheinen.
Aber viele trugen ein weißes T-Shirt mit einem aufgedruckten "Freedom" vorne und einem Bibelvers auf dem Rücken. Ein solches Shirt hatte Charlie Kirk getragen, als er am 10. September an einer Universität in Utah erschossen wurde.
Alles in allem war die Trauerfeier stark religiös aufgeladen, schreibt die "NZZ". Das trug auch Kirks Werdegang Rechnung: Dieser hatte erst eine säkulare Weltsicht, bevor er sich zu einem christlichen Nationalisten wandelte. Die Trennung zwischen Staat und Religion bezeichnete er als "Fiktion".
Christliche Rockbands unterhielten zunächst das überwiegend weiße Publikum, dann traten während über fünf Stunden verschiedene Redner aus dem MAGA-Who’s who auf, um dem ermordeten konservativen Jugendidol zu gedenken: neben der Witwe Erika Kirk und Donald Trump auch dessen Vize, JD Vance, Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Peter Hegseth, Trump-Berater Stephen Miller, Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson, die Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard und Susie Wiles, die Stabschefin im Weißen Haus.
Trump und die meisten Republikaner machen die Demokraten für das tödliche Attentat verantwortlich. An den Reden an der Gedenkfeier sei es denn auch oft um das "Wir gegen sie" gegangen, schreiben verschiedenste Medien mit Blick etwa auf die Rede von Trumps stellvertretendem Stabschef Miller: "Ihr dachtet, ihr könnt Charlie Kirk töten? Ihr habt ihn zu einem Märtyrer gemacht. Jetzt werden Millionen sein Erbe weiterführen", rief dieser der Menge in Arizona zu. Man sei weiterhin entschlossen, die westliche Zivilisation zu retten: "Wir sind auf der Seite des Guten und auf der Seite Gottes."
Die Witwe Kirk, eine frühere Miss Arizona, appellierte ganz in Weiß gekleidet an die Versöhnung. Ihr Mann habe die "verlorenen Jungs im Westen" retten wollen. Sie vergebe dem Attentäter. Viele Republikaner fordern jedoch längst die Todesstrafe für Tyler Robinson, den mutmaßlichen Mörder von Kirk.
Robinson gehörte selbst einer streng gläubigen Christenfamilie an. Er lebte in einer Liebesbeziehung mit einer Transperson. Er begründet die Tat offenbar damit, dass er den Hass von Kirk nicht mehr ausgehalten habe. "Naheliegend ist, dass er die massive Ablehnung Kirks von Trans-Rechten meinte", so "Spiegel Online".
Trump war der Schlussredner im Footballstadion von Glendale. Die Worte der Kirk-Witwe schien er sich kaum zu Herzen genommen zu haben: Kirk, der "Missionar mit einem edlen Geist", habe seine Gegner nicht gehasst, sagte er, doch er, Trump, stimme hier nicht mit ihm überein: "Ich hasse meinen Gegner, und ich will nicht das Beste für ihn", so der US-Präsident. Das Attentat sei ein "Angriff auf die Vereinigten Staaten von Amerika". Der Täter habe die Waffe gegen Kirk gerichtet, "aber die Kugel zielte auf uns alle", so Trump.
"Damit endeten die Worte der Einheit allerdings auch schon", kommentiert die "NZZ" den Auftritt mit dem Verweis, dass es einem US-Präsidenten in Krisenmomenten eigentlich obliege, das Land hinter sich zu sammeln. Bei der Trauerfeier habe es außer Erika Kirks Rede jedoch "wenige Hinweise darauf gegeben, wie die US-Bürger wieder zusammenfinden könnten".
Das sehen auch andere so: "Die Rede des Präsidenten stand nicht im Zeichen der Einigkeit, aber er schien zu versuchen, an bestimmten Punkten den Faden aufzunehmen", schreibt "Politico". "Er räumte ein, dass die Probleme, die die Nation plagen, die Parteigrenzen überschreiten, während er die Schuld letztlich doch der Linken zuschob."