Wer kennt das nicht? Die Wanderung läuft, die Aussicht ist traumhaft – doch plötzlich drückt die Blase oder der Darm. Eine Toilette ist weit und breit nicht in Sicht. Also schnell hinter den nächsten Baum? Was in der Natur wie eine harmlose Notlösung wirkt, kann vor allem in den Alpen zum Problem werden. Der Österreichische Alpenverein warnt: Menschliche und tierische Hinterlassenschaften können empfindliche Ökosysteme verändern.
Benutzte Taschentücher am Wegesrand sind für viele Wanderer ein vertrauter, aber wenig erfreulicher Anblick. Doch damit nicht genug: Gerade in der Wandersaison werden die Alpen häufig als Freiluft-Toilette genutzt. Je höher es hinaufgeht, desto sensibler wird allerdings der Lebensraum.
Der Grund: Hinterlassenschaften wirken als Dünger und können das natürliche Nährstoffgleichgewicht verändern. Zudem dauert es mit zunehmender Höhe länger, bis Abfälle verrotten. Was im Tal rascher verschwindet, kann in alpinen Regionen deutlich länger liegen bleiben.
Wenn es nicht anders geht, empfiehlt der Alpenverein einfache Maßnahmen, mit denen Wanderer die Umwelt schonen können. Die wichtigste Regel: Wo es Toiletten gibt, sollten diese auch benutzt werden. Wer unterwegs keine Infrastruktur findet, sollte einige Punkte beachten:
Laut Benjamin Stern von der Naturschutzabteilung des Österreichischen Alpenvereins fehlt es oft weniger an praktikablen Lösungen als am Problembewusstsein. Dabei sei die richtige Vorbereitung einfach.
"Toilettenpapier verrottet beispielsweise deutlich schneller als Papiertaschentücher. Am besten wäre, gebrauchtes Papier wieder mit ins Tal zu nehmen. Neben der medizinischen Rucksackapotheke gehört also auch ein spezielles 'Erste-Hilfe-Set' für den Notdurft-Fall in den Rucksack, bestehend aus Klopapier und Beutel", so Stern.
Auch beim Abstandhalten sei wenig Aufwand nötig. "Leicht umsetzbar ist auch das Abstandhalten von Gewässern und Stadeln. Das schont nicht nur Flora und Fauna, auch Bauern und Grundbesitzer sind froh darüber", so der Experte.
Manchmal lässt sich das Problem sogar ganz ohne Notlösung vermeiden. Stern rät, auch das richtige Timing im Blick zu behalten: "So könnte das ein oder andere sich anbahnende Bedürfnis sicher noch auf der Toilette am Ausgangspunkt erledigt werden."
Wer also eine längere Tour plant, sollte vor dem Start noch einmal das WC aufsuchen und ein kleines Notfallset einpacken. Denn die Regel für den nächsten Ausflug ist einfach: Die Natur genießen – und möglichst nichts zurücklassen.