Im UN-Sicherheitsrat spitzt sich der Streit um die Sicherheit der Straße von Hormus zu. Eine Abstimmung über einen möglichen Militäreinsatz steht unmittelbar bevor – doch mehrere Vetomächte stellen sich quer.
Am Freitag soll das mächtigste UN-Gremium über einen Vorstoß des Golfkooperationsrates entscheiden, der den Schutz der Handelsschifffahrt notfalls auch mit Waffengewalt vorsieht. Ein entsprechender Resolutionsentwurf wurde von Bahrain eingebracht. Darin ist vorgesehen, dass "alle notwendigen Mittel" eingesetzt werden können.
Vor allem Russland, China und Frankreich äußerten jedoch deutliche Vorbehalte gegen den von den USA unterstützten Plan. "Der Einsatz von Gewalt kann keinen Frieden bringen", sagte der chinesische UN-Botschafter Fu Cong vor dem Sicherheitsrat. "Die Mitgliedstaaten zum Einsatz von Gewalt zu ermächtigen, käme einer Legitimierung des rechtswidrigen und wahllosen Einsatzes von Gewalt gleich, was unweigerlich zu einer weiteren Eskalation der Lage und zu schwerwiegenden Folgen führen würde", fügte er hinzu.
Auch aus Moskau kommt Widerstand: Russland will keine Schritte mittragen, die als einseitig gewertet werden könnten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte bereits im Vorfeld klargestellt, ein Militäreinsatz zur Öffnung der Meerenge sei "unrealistisch".
Anders sehen das die USA: UN-Botschafter Mike Walz stellte sich klar hinter den Vorschlag. "Kein Land sollte in der Lage sein, die Volkswirtschaften der Welt als Geisel zu nehmen, um in einem Konflikt einen Vorteil zu erzwingen."
Aufgrund der Kritik wurde der Resolutionsentwurf bereits angepasst. In einer überarbeiteten Fassung ist nun von "alle notwendigen defensiven Mittel" die Rede.
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Transportwegen für Energie weltweit. Rund ein Fünftel des globalen Rohöls und Flüssigerdgases wird normalerweise durch die Meerenge verschifft.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist der Verkehr dort jedoch massiv eingeschränkt. Die Blockade durch den Iran ließ die Ölpreise deutlich ansteigen.
Aktuell passieren nur noch wenige Schiffe die Route – vor allem aus dem Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien, China und Saudi-Arabien. Laut dem Analyseunternehmen Kpler haben seit Anfang März lediglich 225 Frachtschiffe die Meerenge durchquert. Das entspricht einem Rückgang von 93 Prozent im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg.